Für ihren politischen Ziehvater Helmut Kohl war Europa eine Notwendigkeit, ein wichtiger Bestandteil der deutschen Politik – für Angela Merkel hingegen bedeutet Europa vor allem eins : Stress.
Bankenkrise, Staatsschulden, ein mögliches Auseinanderbrechen der Europäischen Union… Fast jede Woche taucht irgendwo in Europa ein neuer Brandherd auf. Und Angela Merkel ? Die würde am liebsten so tun, als wäre das alles nicht so tragisch. Nun ist ruhige Besonnenheit nicht das schlechteste Verhalten, insbesondere wenn der französische Kollege Sarkozy in hektischen Aktionismus verfällt. Die Bundeskanzlerin, so scheint es jedoch, verwechselt Besonnenheit mit Nichtstun und Abwarten. Seit Monaten folgt Merkel deshalb der immer gleichen Maxime : Abwarten, Zögern, Nachgeben. Auf Probleme reagiert Merkel erst, wenn es absolut nötig ist. Viel Zeit vergeht dann mit Absichtserklärungen (vor allem Erklärungen darüber, was man nicht tun möchte). Letztendlich rückt Merkel dann doch von ihrer Ausgangsposition ab. Jüngstes Beispiel : Die gemeinsame Europäische Wirtschaftsregierung, gegen die Merkel sich bisher sträubte. Damit gab sie einer alten französischen Forderung nach.
In Zeiten der Euro-Krise ist eine gemeinsame Wirtschaftsregierung sicher ein Schritt in die richtige Richtung. Angela Merkel glänzt dabei allerdings nicht als überzeugte Europäerin. Immer sind es andere, die die Debatte anstoßen und die tun, was getan werden muss. Ein bisschen mehr Courage, Frau Merkel. Zu einem hyperaktiven Monsieur Sarkozy müssen sie ja auch nicht werden.


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