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Bulgarien – das Land der Rosen …und der Korruption

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Eine Entdeckungsreise in eines der jüngsten EU-Mitglieder

Einer Legende zufolge hat Gott, als er die Erde unter den Völkern aufteilte, ein kleines Volk vergessen – die Bulgaren. Dann gingen die Bulgaren zu Gott und erklärten ihm, dass sie kein Land bekommen haben. Da Gott aber kein Land mehr zu verteilen hatte, gab er den Bulgaren ein kleines Stück aus dem Paradies, wo sie bis heute noch leben. Doch wer sind eigentlich die Bulgaren? Welche Traditionen verbinden sie mit ihrem Land und was ist die Rolle Bulgariens in der EU, insbesondere nach den ernstzunehmenden Korruptionsvorwürfen? Die Euros stellen das Land in all seinen Gegensätzlichkeiten vor.


Das unbekannte bulgarische Paradies

Bulgarien im Überblick

Fläche: 110.099 qkm

Bevölkerung: 7,7 Mio. Einwohner (2006)

Amtssprache: Bulgarisch

Regierungsform: Parlamentarische Republik

Religion: ca. 6,8 Mio. bulgarisch-orthodox, ca. 790.000 muslimisch, ca. 50.000 katholisch, ca. 20.000 protestantisch, ca. 5.000 jüdisch (Dezember 2003)

Hauptstadt: Sofia (2,065,324 Mio. Einwohner)

Traditionelles Bulgarien: Kloster von Rila
Bildquelle: www.flickr.com/ davesag

Die Bulgaren bekamen also ein kleines Stück aus dem Paradies, wo sie bis heute noch leben. In diesem kleinen Land taucht die Sonne morgens vom Schwarzen Meer auf und geht abends hinter den weißen Bergen vom Rila- und Piringebirge unter. Am Tag spiegelt sich der blaue Himmel in den kristallklaren Seen und in der Nacht kommen die Sterne so nah an die Erde, dass man sie fast berühren kann. Da gibt es immer noch wilde Natur, wo man sich eins mit dem Universum fühlt. In diesem Land ist die Luft von dem Duft der Rosen und des Weizens durchdrungen und die Seele von der Orpheus Musik und dem Mystizismus der Thraker. Und die Menschen begrüßen jeden Gast mit offenem Herzen, freundlichem Lächeln und warmer Umarmung.

Aber die meisten Europäer und die Welt kennen Bulgarien von dieser Seite nicht. Sie kennen nicht den berauschenden Duft der Rosen. Und der Ruhm der bulgarischen Volkstänzer und der „Le Mystère des Voix Bulgares“ (Geheimnis der bulgarischen Stimmen) ist schon in Vergessenheit geraten. Über das kleine Land auf der Balkanhalbinsel wird nicht mehr als Land der Rosen und Hort der menschlichen Zivilisation geredet, sondern als ein Nest der Korruption.

Obwohl die Korruption immer präsent in der politischen Elite des Landes war, wurde erst mit dem Beitritt Bulgariens in die EU im Jahre 2007 dieses unausgesprochene Gesetz zu einer offiziellen Tatsache. Sie zog nicht nur strenge finanzielle Konsequenzen für das neue Mitglied der Union nach sich, sondern verletzte auch die Autorität des Landes und brachte die Wut der gewissenhaften europäischen Steuerzahler mit sich.

Die Bulgaren und die Europäische Union

Premierminister seit 2005: Sergei StanishevDas Jahr 2007 brachte für die bulgarische Bevölkerung viel Hoffnung mit sich. Der fast 20 Jahre lang gehegte Traum von der Zugehörigkeit zu der großen Familie der hochentwickelten EU-Staaten ist in Erfüllung gegangen. Es wurde über ein historisches Ereignis geredet, über eine verdiente Anerkennung Bulgariens als Teil von Europa. Der Beitritt in die EU sollte Bulgarien von dem Ruf eines korrumpierten, wirtschaftlich sich langsam entwickelten postkommunistischen Landes befreien. Das Brandmal eines Produzenten von Emigranten und billigen Arbeitskräften sollte entfernt werden. Das Recht, ein freier Bürger des vereinten Europas zu sein wurde oft als die Rehabilitierung der Würde des bulgarischen Volkes angesehen.

Die einfachen Bürger begrüßten den Beitritt mit der Hoffnung, dass nach 20 Jahren Übergang sich jetzt etwas im Lande in eine positive Richtung bewegen wird. Freilich war die größte Hoffnung mit dem Erreichen eines höheren Lebensstandards verbunden. Mit der Erwartung, dass die Mehrheit nicht an der Grenze des Existenzminimums leben wird, dass die Rentner nicht jede Münze zählen müssen, damit ihnen das Geld für die Grundnahrungsmitteln und für die Arzneien ausreicht. Die Hoffnung auf einen Weg aus der Stagnation, der Schritte vorwärts ermöglicht, damit die jungen Menschen die Realisierung ihrer Träume im eigenen Land versuchen und schlussendlich eine sichere und ruhige Zukunft bevorsteht.

Versinkt Bulgarien im Sumpf der Korruption?

Spuren der Vergangenheit in SofiaZwei Jahre später aber zeigen sich diese Erwartungen als all zu optimistisch, fast unerreichbar. Das Land wartet immer noch dort, wo es im Jahre 2007 von den Mitgliedstaaten begrüßt worden ist. Kein effektiver Kampf gegen die Korruption, keine Fortschritte bei der Bekämpfung der organisierten Kriminalität, keine Verbesserung des Gerichtssystems. Alles Schwachpunkte, die schon bekannt waren, die aber mit dem Bericht der EU über Bulgarien vom Juli 2008 offiziell wurden. Als Folge des Berichts, der sehr stark die politische, administrative und gerichtliche Lage im Land kritisierte, wurden 560 Mio. Euro von den europäischen Fonds für Bulgarien gestrichen. Mit den finanziellen Konsequenzen kommt auch die Wut und die Unzufriedenheit der europäischen Bürger: Die EU-Mitgliedschaft Bulgariens wird in Frage gestellt.

Die korrupten Handlungen der bulgarischen Administration hatten starke Auswirkungen. Nicht nur nach außen, sondern auch nach innen. Das Misstrauen gegenüber der Regierung steigt und der Enthusiasmus über den EU-Beitritt sinkt. Die im Dezember 2008 bekannt gegebene Untersuchung von Alfa Research zeigt, dass 52 Prozent der Bulgaren der Meinung sind, dass der größte Gewinn der EU-Mitgliedschaft des Landes bei den Politikern liegt und 40 Prozent vertreten die Ansicht, dass „die Schurken und die Korrupten“ den größten Profit davon haben. 47 Prozent der 1250 Befragten schätzen den EU-Beitritt des Landes als positiv, aber für ein Dreiviertel davon hatte das keinen Einfluss auf ihr eigenes Leben. Als die größten Vorteile werden die Möglichkeit für Reisen ohne Auslandsausweis, der einfachere Zugang zu ausländischen Universitäten und die besseren Arbeitschancen im Ausland gesehen. Was noch deutlicher die Unzufriedenheit der Bulgaren mit ihrer eigenen Regierung zeigt, ist die Tatsache, dass 76 von 100 Menschen der Meinung sind, dass die Kritik aus Brüssel fair ist.

Europa als höhere Instanz

Meglena Kuneva: Bulgarische EU-Kommissarin für VerbraucherschutzDie Europäische Union wird als eine höhere Instanz gesehen, die in der Lage ist, die Willkür der Regierenden zu bändigen. Die starke Ohrfeige, die das Land 2008 von der EU bekommen hat, war schmerzhaft, aber stimulierte auch den Prozess der Ernüchterung der bulgarischen Regierung. Es wurde klar, dass die Union viele Chancen anbietet, aber auch bereit ist zu bestrafen, wenn sich die Länder nicht an die Regeln halten.

Für Bulgarien stehen jetzt schwierige Zeiten bevor. Es muss nicht nur mit den eigenen Problemen kämpfen, sondern dies auch so effektiv machen, dass möglichst schnell die eingebüßte Glaubwürdigkeit wiedererlangt werden kann. Das Scheitern des Landes und der Regierenden bei dem, auch vor der EU angekündigten, Kampf gegen die Korruption und der Kriminalität dient als ein starkes Argument in der Hand aller EU-Osterweiterungsskeptiker. Es untermauert die These, der Beitritt Bulgariens und Rumäniens sei zu frühzeitig geschehen. Die Regierung muss sich jetzt anstrengen, wenn sie beweisen will, dass diese Annahme falsch ist. Sie muss eine Steigerung der Effizienz in ihrer Arbeit nachweisen, denn davon hängt auch ab, ob das Land als ein zuverlässiger Partner und verdientes Mitglied der Union angesehen werden kann.


Bildquelle Logo: www.flickr.com / old shoe woman; tiziakaya


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Reaktionen (6)
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M.
2. Februar 2009
09:37
Bulgarien – das Land der Rosen …und der Korruption

In Rumänien heisst man eher nicht Kuneva ...

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nas
2. Februar 2009
10:08
Bulgarien – das Land der Rosen …und der Korruption

Meglena Kuneva: Rumänische????????????? EU-Kommissarin für Verbraucherschutz. Nein.

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Helene Banner, Die Euros
2. Februar 2009
13:53
Bulgarien – das Land der Rosen …und der Korruption

Vielen Dank für die Hinweise. Der Fehler wurde korrigiert.

Rüdiger Schuppert
26. Juli 2009
15:51
Die Bulgaren und die europäische Union
Bulgarien – das Land der Rosen …und der Korruption

Ich arbeite seit eineinhalb Jahren in Galabovo im bulgarischen Maritza-Becken am Bau eines Kohlekraftwerkes. Ich empfehle jeden europäischen Politiker diesen Wahnsinn Bulgarien im Alltag über einen längeren Zeitraum zu begegnen wo Korruption mafiöse Stukturen in jeder Beamtenstube, in jedem Restaurant und auf jeder Strasse zu spüren für einen Ausländer aber nicht greifbar ist. Schaut auf dieses Volk der Zerstörer die keine Gesetze keine Vernunft und keine Ordnung kennen, denen Arbeit ein Fremdwort ist gleichsam aber vom Wohlstand der Völker des Nordens profitieren wollen. Ich hoffe es wird in der europäischen Union verantwortungsvoll nicht nur in finanzieller sondern auch in politischer Hinsicht gehandelt denn dieses Land ist von seiner Denkweise so weit weg von Europa wie Martin Luther King von George W. Bush.

Rüdiger Schuppert

Galabovo, 26.07.2009

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K.L.
19. November 2009
18:28
Bulgarien – das Land der Rosen …und der Korruption

Wußten Sie Herr Schuppert, daß dieser Wahnsinn Bulgarien das Leben von 50,000 Juden von der Absicht Ihrer Heimat (die sich im tollen Westen befindet) sie zu töten, geretet hat. Sie zu töten einfach weil sie Juden waren! Wissen Sie wieviele Juden, Zigeuner, Pole etc. ihre Heimat aus dem Westen wegen ihrer Nationalität umgebracht hat?! Wissen Sie wieviele Mio. Leute Deutschland im 1. und 2. Weltkrieg umgebracht hat?! Finden Sie das in Ordnung?? Haben Sie schon vom Marshall Plan was gehört? Wissen Sie wieviele Mlrd. Dollar die USA für den Wiederaufbau des Westens inkl. Deutschland ausgegeben hat?! Wissen Sie wieviele Schätze Großbritanien, Spanien, Holland, Portugal etc. aus Afrika und Südamerika gestohlen hat?!

Denken Sie erst mal an Ihre geschichte bevor Sie ein Land ’Volk der Zerstörer die keine Gesetze keine Vernunft und keine Ordnung kennen’ nennen!

Rüdiger Schuppert
21. November 2009
08:58
Bulgarien – das Land der Rosen …und der Korruption

Sehr geehrte/geehrter K.L.

Ganz abgesehen davon das Zar Boris III. aus Angst vor den Russen und Türken sich 1940 im Vertrag von Craiova den Achsenmächten anschloss sollten Sie nicht auf die Vergangenheit sondern auf die Zukunft Europas schauen und Sie werden bei ehrlicher Sichtweise mir beipflichten das Bulgarien nicht reif für dieses Europa ist. Ich geb Ihnen recht das wir mahnend an den dunklelsten Abschnitt deutscher Geschichte erinnern aber gestalten können wir nur die Zukunft und genau da scheinen die Schwierigkeiten zu liegen. Übrigens wurde ein de facto Marshall-Plan für Bulgarien eingefroren weil zu viel Kapital in dunkle mafiöse Kanäle geflossen ist. Sie können sich diesen Argumenten nicht entziehen weil sie unmittelbare langfristige Erfahrungen sind und „Gott sei Dank“ in Brüssel ähnlich gesehen wird. Statt dessen kommen Sie mit Argumenten die für uns alle unveränderlich und somit kontraproduktiv sind. Sie bestärken mich in meinen Ansichten und reihen sich in dieses Volk denen Gott ein Teil des Paradieses geschenkt hat aber damit nichts anfangen können nahtlos ein.

Rüdiger Schuppert

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