Das Ziel ist Europa : osteuropäische Ratspräsidentschaften 2011

Zwischen Karlspreis und Knebelgesetz - es wird ein spannendes Jahr

Ungarn und Polen übernehmen 2011 jeweils für ein halbes Jahr die europäische Ratspräsidentschaft - und müssen stellvertretend für die anderen osteuropäischen Länder zeigen, dass sie sich ihren Platz im erlauchten Kreis der 27 tatsächlich verdient haben.


Schwarze Bildschirme als Antwort auf einen schwarzen Tag für die Meinung- und Pressefreiheit - so oder so ähnlich lässt sich die Symbolik der Kampagne „Blackout for Hungary“ beschreiben. Unter diesem Motto hatten am 5. Januar 2011 mehrere tausend ungarische und internationale Blogs und Websites einen Tag lang ihre Inhalte gesperrt - als Protest gegen das neue Mediengesetz im Donaustaat.

Warmes Willkommen
Europaabgeordnete protestierten während Orbáns Rede vor dem Europaparlament, mit der er die Ungarische Ratspräsidentschaft einleitete, gegen die repressive Medienpolitik in Ungarn. Quelle : Europäisches Parlament : http://www.flickr.com/photos/europe...

Ungarn verhöhnt die Werte Europas“, empört sich Le Monde. „Was in Ungarn entsteht, ist der Führerstaat des Viktor Orbán“ - sogar die sonst eher gemäßigte Welt schlägt in Reaktion auf das neue Gesetz harsche Töne an. Ein Kommentator der ZEIT forderte sogar den Ausschluss Ungarns aus der Europäischen Union. Das ist der Tenor, der die Reaktionen der europäischen Presse auf den neuesten Coup des ungarischen Regierungschefs Viktor Orbán prägte. Ganz im Gegensatz zu denen der europäischen Politiker, deren Kritik seltsam verhalten blieb. Und das obwohl - oder vielleicht gerade weil - dieser Viktor Orbán im kommenden halben Jahr in Form der ungarischen Ratspräsidentschaft die Leitlinien der europäischen Politik festlegen wird. Mit seinen aktuellen Kapriolen setzt er nicht nur die eigene Regierung, sondern auch Donald Tusk unter Druck, der als polnischer Ministerpräsident ab dem 1. Juli 2011 die europäische Ratspräsidentschaft übernimmt.

Spannungsgeladener hätte „ihr“ Jahr für die beiden Länder wohl kaum beginnen können. Dabei ist die Ratspräsidentschaft für den jeweiligen Mitgliedstaat vor allem eine Chance, sich politisch zu profilieren und von der besten Seite zu zeigen. Wichtige Akzente bei der Bewältigung der wirtschaftlichen und politischen Herausforderungen zu setzen. Die eigene Bevölkerung für die „Idee Europa“ zu begeistern und gleichzeitig deren Anliegen in Brüssel und Straßburg besonderen Nachdruck zu verleihen. Außerdem ist die Ratspräsidentschaft eine Möglichkeit par excellence, sich innerhalb der Gemeinschaft einen gewissen Status zu erarbeiten. Und gerade das wäre für die Akzeptanz der osteuropäischen Länder, die man als Sorgenkinder der Union noch immer ein wenig misstrauisch beäugt, extrem wichtig.

Zeiten der Aufruhr : der Umgang mit der Wirtschaftskrise

Dauerkrise
Überall in Europa kämpfen Staaten mit den Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise. Auch Ungarns Staatsverschuldung ist bedenklich hoch. Quelle : http://www.flickr.com/photos/brianr/

Noch dazu durchlebt Europa stürmische Zeiten : Die Folgen der Finanzkrise, deren Auswirkungen auf die Zukunft der Euro-Zone und das Ringen um eine gemeinsame Wirtschaftsregierung und die „Europa 2020“-Strategie, die für Wachstum und Arbeitsplätze sorgen soll - bei der Bewältigung dieser Herausforderungen werden jetzt von allem von Ungarn und Polen wichtige Impulse erwartet, die die beiden Länder auch zu geben bereit sind. Tatsächlich scheint insbesondere der Donaustaat seine Hausaufgaben gemacht zu haben : Ungarn will sich in den sechs Monaten seiner Ratspräsidentschaft vor allem um die langfristige Entwicklung der europäischen Wirtschaft kümmern - und dabei die Krise als Chance begreifen. Im Vordergrund stehen hier die Entwicklung von Strategien, um Europa international wettbewerbsfähig zu machen und Ideen für eine koordinierte europäische Wirtschaftspolitik. Auch in der Diskussion um die Revision des Lissabon-Vertrages in Bezug auf die gemeinsame Finanzpolitik will Budapest entscheidende Akzente setzen - und damit ein Ausrufezeichen in Richtung derjenigen Staaten, die eine drastische Verschärfung der Spielregeln fordern. Zwar ist man sich der Notwendigkeit eines gemeinsamen, ständigen Mechanismus zur Krisenbewältigung bewusst. Genauso der Tatsache, dass es strengere Kontrollen in puncto Haushaltsdisziplin für Defizitländer geben muss.

Nur - gerade Budapest ist nicht in der Position, diesbezüglich große Forderungen an andere stellen zu können. Mit einer Staatsverschuldung von 80 Prozent seines Bruttoinlandsproduktes (BIP) würde Ungarn gern auf drakonische Sanktionen verzichten. Stattdessen wird sich um Diplomatie bemüht : Man poltert nicht lauthals über die finanzpolitischen Alleingänge Deutschlands, sondern formuliert höflich den Wunsch, es bei den bis jetzt gestellten Forderungen bewenden zu lassen. Trotz seiner finanziellen und wirtschaftlichen Probleme sieht die ungarische Regierung die Krise aber hauptsächlich als Chance, Europa in ökonomischer, politischer und institutioneller Hinsicht zu stärken. Wie sehr das Land dabei selbst auf dieses starke Europa angewiesen ist, weiß man in Budapest nur allzu genau - 2010 schrammte Ungarn nur knapp daran vorbei, beim Internationalen Währungsfonds (IWF) Finanzierungshilfen gegen die desaströse Haushaltslage beantragen zu müssen.

Ungarns wirtschaftliche Ambitionen während des nächsten halben Jahres gehen aber über das reine Krisenmanagement hinaus. Vor allem in Bezug auf die europäische Energiepolitik will die Regierung Gas geben - und das durchaus im wörtlichen Sinn. Um die Energieversorgung in Europa langfristig zu sichern, hat sich Orbán die Realisierung der Nabucco-Pipeline als weiteres Großprojekt auf die Fahnen geschrieben. Unter dem Slogan „Keine weißen Flecken auf Europas Energielandkarte“ wollte er beim EU-Energiegipfel am 04. Februar Nägel mit Köpfen machen und Maßnahmen vorstellen, mit denen Europa in Zukunft unabhängiger von russischen Gasexporten werden soll. Tatsächlich haben sich die 27 Staats- und Regierungschefs darauf geeinigt, dem Projekt in Sachen europäische Energiepolitik Priorität einzuräumen. Abgesehen davon - und auch wenn Orbán den Gipfel als « Durchbruch » und « großen Erfolg für Ungarn » beschreibt - sind Experten und Umweltschützer von den mageren Ergebnissen ziemlich enttäuscht. Einen wichtigen Unterstützer in Sachen Energie-Großprojekt hat Ungarn trotzdem : Auch dem Ratspräsidentschafts-Nachfolger Polen liegt viel an der Sicherheit der europäischen Energieversorgung. Zumindest in dieser Hinsicht ziehen die beiden Länder also an einem Strang - und wollen damit vor allem den starken Zusammenhalt der osteuropäischen Staaten beschwören.

Die „Ostpartnerschaften“ - Rückkehr zum Regionalismus oder Chance für Europa ?

Preisträger
Donald Tusk erhielt den Aachener Karlspreis für seine Verdienste um Europa. Mit der Polnischen Ratspräsidentschaft kann er beweisen, dass er die Auszeichnung verdient hat.
Quelle : http://www.flickr.com/photos/bartheq/

Überhaupt legen die beiden Länder größten Wert auf ein gutes Verständnis entlang der Donau. Ungarn und Polen wollen die Ratspräsidentschaft vor allem dazu nutzen, die so genannten „Ostpartnerschaften“ zu intensivieren und den osteuropäischen Mitgliedsstaaten dadurch zu mehr Präsenz auf der europäischen Politik-Bühne zu verhelfen. Dafür setzt vor allem Ungarn erst mal darauf, sich Verstärkung ins Boot zu holen. Ein explizites Ziel von Viktor Orbáns Regierung ist es, bei den Beitrittsverhandlungen der Union mit Kroatien die Rolle des aktiven diplomatischen Vermittlers einzunehmen und dem Nachbarland somit den Weg in die EU zu ebnen. Darüber hinaus plädiert er für eine Aufnahme Bulgariens und Rumäniens in den Schengen-Raum. Und auch für Polen ist eine engere Zusammenarbeit zwischen den osteuropäischen Ländern Top-Thema der Ratspräsidentschaft. Zu lange hatten sie das Gefühl, in einem „Europa der zwei Geschwindigkeiten“ zu leben, das trotz wachsender wirtschaftlicher Integration bei der Angleichung der Lebensstandards innerhalb seiner Grenzen hinterher hinkt. Die „Donaustrategie“ ist deshalb vor allem ein Programm, mit dem Ungarn und Polen Osteuropa auf ökonomischen Erfolgskurs bringen wollen. Ausgearbeitet hatte es die Kommission bereits im Dezember letzten Jahres - jetzt geht es darum, beim Treffen des Europäischen Rates im Juni von den anderen Mitgliedsstaaten grünes Licht zu bekommen. Sollte das gelingen, ist das ein deutliches Signal Richtung Brüssel : Osteuropa hat das Potenzial, wirtschaftlich mitzuhalten und sich darüber hinaus politisch durchzusetzen.

Ist die Donaustrategie der Ausdruck des aufrichtigen Wunsches nach mehr Anerkennung und größerer Teilhabe an den politischen Entscheidungen in Europa - oder regionale Klüngelpolitik ? Schließlich passt dieser demonstrative Fokus auf den osteuropäischen Zusammenhalt nur allzu gut in die aktuelle Tendenz, europäische Themen hinten anzustellen und politisch erst mal vor der eigenen Tür zu kehren. Klar haben sowohl Ungarn als auch Polen deutlich gemacht, dass sie vor allem an einer für alle tragbaren Lösung der dringendsten Probleme arbeiten wollen. Allerdings sind sie gerade in diesen Bereichen mit am dringendsten auf ein starkes Europa angewiesen. Trotzdem sind die „Ostpartnerschaften“ Ausdruck eines neuen Selbstbewusstseins, mit dessen Hilfe sich die Donaustaaten von der - wie es dort häufig empfunden wird - Vormundschaft des „alten Europa“ emanzipieren wollen. Das muss aber noch lange nicht heißen, dass sie damit den Prozess der europäischen Integration ausbremsen. Tatsächlich haben sich entlang der Donau die Ansichten über Europa geändert : Vor allem die Menschen in den osteuropäischen Ländern stehen der europäischen Integration weniger misstrauisch gegenüber. Diese Entwicklung erreicht auch langsam, aber sicher die politischen Entscheidungsträger. So erhielt Donald Tusk im letzten Jahr den Aachener Karlspreis für besondere Verdienste um Europa. Denn dazu zählen sich Ungarn und Polen nicht nur rein geographisch, sondern auch ideell. Welche Auswirkungen dieses Gefühl der ideellen Zugehörigkeit tatsächlich auf die Europapolitik der beiden Länder haben wird, ist dennoch schwer zu sagen. Denn bei allem Enthusiasmus für die europäische Union sehen Ungarn und Polen die Ratspräsidentschaft natürlich auch als famose Gelegenheit, Brüssel gegenüber ihr nationales Profil zu schärfen.

„Europäischer Geist“ vs. nationale Identität

Cooles Europa
In den osteuropäischen Ländern erwärmt man sich mehr und mehr für die europäische Idee.
Quelle : http://www.flickr.com/photos/bildbunt/

Nach außen gibt man sich gerade in Ungarn durchaus sehr staatsmännisch und kosmopolitisch. Orbán wolle die Ratspräsidentschaft vor allem dazu nutzen, den „großen Abstand zwischen dem europäischen Geist und den europäischen Bürgern zu verringern“, erklärte er kürzlich in einem Interview. Gesagt, getan : Zur Eröffnung der Ratspräsidentschaft wurde in Budapest gleich zwei Tage lang unter dem Motto „Wir sind Europa“ gefeiert - ohne große Inszenierung durch die Regierung, ein Fest des Volkes als Ausdruck der Begeisterung für die europäische Idee. Aber nicht nur dafür. Der Respekt, die die EU dem Donaustaat durch die Ratspräsidentschaft entgegenbringt, gilt auch als Streicheleinheit für die ungarische Seele. Und daraus will Orbán ohne Frage Kapital schlagen : Auch eine aktive Kulturpolitik zur Stärkung der ungarischen Identität ist fester Bestandteil des Programms für das nächste halbe Jahr. Ziel ist eine ethnische und territoriale Einigung des ungarischen Volkes, wozu auch die Roma-Frage zählt. Mindestens zwei Prozent der ungarischen Bevölkerung sind Roma ; darüber hinaus fühlen sich viele Roma in der Slowakei und Rumänien ungarisch. Und auch die Beweggründe, aus denen heraus Ungarn sich für den Beitritt Kroatiens zur EU und die Aufnahme Bulgariens und Rumäniens in den Schengenraum einsetzt, erscheinen unter diesen Vorzeichen in einem etwas anderen, weniger strahlendem Licht. Viele ethnische Ungarn leben in diesen drei Ländern - Tür an Tür mit ihren „europäischen“ Volksgenossen. Und doch blieb ihnen die Tür nach Europa bislang verschlossen. Sicher möchte die ungarische Regierung zur Erweiterung und Vertiefung der europäischen Integration beitragen, indem sie sich für diese Länder einsetzt - zuerst liegt ihr da aber die eigene ethische und nationale Identität am Herzen. Andererseits : Ist es einem Land vorzuwerfen, wenn es sich wünscht, dass alle Teile seiner Bevölkerung gleichsam als „Europäer“ gelten - und das nicht allein im ideellen oder kulturellen Sinn, sondern auch politisch, unabhängig davon, wo sie leben ?

Fest steht jedenfalls eines : Der Fokus auf Nationalstolz und ungarischem „Wir“-Gefühl könnte für einige Verstimmungen sorgen. Mit der Platzierung der Roma-Frage ganz oben auf der ungarischen Europa-Agenda provoziert Orbán ganz offen einen Konflikt mit Frankreich. Man erinnert sich noch lebhaft : Sarkozys Regierung hatte sich im Sommer 2010 mit einer aggressiven Abschiebepolitik gegen die oftmals illegal im Land lebenden Roma weit aus dem völkerrechtlichen Fenster gelehnt. In der Rolle als deren Fürsprecher zeigt Ungarn jetzt deutlich das neue, gestärkte Selbstbewusstsein Osteuropas. Damit bezieht es auch gegenüber den „Großen“ eindeutig Position - für die eigene Sache und entgegen aller etwaigen Widerstände.

Dabei kommen diese Widerstände nicht unbedingt aus Brüssel. Bei aller Begeisterung für Europa gilt in Polen die Aufmerksamkeit der Regierung vor allem den innenpolitischen Großereignissen, die dort 2011 ins Haus stehen. Denn im Herbst wählt Polen einen neuen Sejm. Und weil sich Parteien im Wahlkampf eher auf nationale denn auf europäische Themen konzentrieren, könnten die Ziele der Ratspräsidentschaft ins Hintertreffen geraten. Besonders heikel könnte es im Falle eines Regierungswechsels werden : Ob ein neuer Ministerpräsident eine ebenso pro-europäische Politik vertreten wird wie der momentane Regierungschef Donald Tusk steht momentan noch in den Sternen. Beobachter fürchten mögliche Konflikte zwischen den Interessen der nationalen Parteien und der Europastrategie der jetzigen Regierung. Aber Wahlkampf hin oder her : Dass die neu gewonnene und hart erkämpfte Anerkennung ihres Landes innerhalb der EU vor allem der Politik Donald Tusks zu verdanken ist, dessen sind sich die polnischen Politiker mehr als bewusst. Dass die immer noch vorhandene Skepsis gegenüber der Europapolitik der osteuropäischen Länder nur dann endgültig überwunden werden kann, wenn auch eine neue Regierung diesen pro-europäischen Kurs beibehält, sollte ihnen genauso bewusst sein.

Osteuropa startet durch - das Ende des Konflikts zwischen dem „alten“ und „neuen“ Europa ?

Der Blick von oben ...
... zeigt : Auch Osteuropa ist Europa.
Quelle : http://www.flickr.com/photos/zentolos/

Die Voraussetzungen dafür sind allemal gegeben : Durch den Vertrag von Lissabon haben die nationalen Parlamente weitaus mehr Möglichkeiten bekommen, die politischen Entscheidungen in Straßburg und Brüssel mitzugestalten. Dadurch wird zwar auf der einen Seite gerade von der Ratspräsidentschaft erwartet, dass sie ihr Parlament aktiv in die Europapolitik einbindet und europäischen Themen dort besondere Präsenz verschafft. Auf der anderen Seite kann und soll sie auch im Europaparlament Akzente setzen - und dabei die Anliegen der Abgeordneten zu Hause mit ein bisschen mehr Nachdruck als sonst vertreten. Durch den Vorsitz Polens und Ungarns wird Europa nun ein ganzes Jahr im Zentrum der europäischen Aufmerksamkeit stehen. Eine so noch nie dagewesene Gelegenheit, auch zu sensiblen und bisher oft verdrängten Themen Tacheles zu reden, die wirtschaftlichen und sozialen Ungleichheiten offen zur Sprache zu bringen und damit Europa ein Stück weiter zusammenwachsen zu lassen. Wichtig ist dabei vor allem die diplomatische Reife und Ausgeglichenheit, die die kommenden beiden Ratspräsidentschaften beim Balanceakt zwischen nationaler und europäischer Politik jetzt beweisen müssen.

Vor allem Polen hat in dieser Hinsicht allerdings keine Vorschusslorbeeren zu erwarten - zu präsent sind die Erinnerungen an den Widerwillen, den der damalige Präsident Lech Kaczynski bei der Ratifizierung des Lissabon-Vertrages demonstrierte. Mit der Folge, dass den osteuropäischen Ländern noch heute ihr mangelnder Europa-Enthusiasmus vorgehalten wird. Und eines ist sicher : Orbán hat mit seinem Mediengesetz und seiner äußerst fragwürdigen Demokratieauffassung nicht gerade zur europäischen Salonfähigkeit Ungarns beigetragen.

Trotz alledem sind sowohl Ungarn als auch Polen fest entschlossen, dem Image der osteuropäischen Länder einen neuen Anstrich zu verpassen. Dass das aber nur funktionieren kann, wenn Europa von der und durch die eigene Bevölkerung gelebt wird, wissen sowohl Viktor Orbán als auch Donald Tusk. Aus diesem Grund wollen beide Regierungschefs nicht nur das Ansehen ihrer Länder bei den Partnern in Brüssel und Straßburg, sondern umgekehrt auch die Beliebtheit der EU bei ihren Landsleuten steigern. Im Moment sind die zwar alle relativ zufrieden mit der Situation - aber so richtig lockt das Thema „Europäische Integration“ niemand hinter dem Ofen hervor. Welche Institutionen es gibt und was die machen ? Das wissen viele nicht. Zu den Europawahlen gehen ? Das tun die meisten nicht. Die europäische Politik aktiv mitgestalten ? Da hat man dann doch alltäglichere Sorgen.

Da würde es helfen, zu wissen, dass sie mit diesen alltäglichen Sorgen nicht allein sind. Die Ratspräsidentschaft ist eine einmalige Chance, deren Lösung in einer neuen, europäischen Dimension zu denken. Das ist die Botschaft, die die Europapolitik der ungarischen und polnischen Regierungen ihren Landsleuten jetzt übermitteln muss. Einfach, klar, deutlich - damit das „Wir sind Europa“-Gefühl, welches am 1. und 2. Januar bei der Eröffnungsfeier in Budapest zu spüren war, nicht zusammen mit dem Feuerwerksnebel verpufft.

Letzten Endes wird vermutlich noch viel Wasser die Donau hinunter fließen, bis die osteuropäischen Staaten ihren endgültigen Platz im Kreis der 27 gefunden haben. Aber auch wenn die Fahrt stromaufwärts, gen Westen, beschwerlicher ist als in die andere Richtung - die beiden osteuropäischen Regierungen haben ihren Kurs für das kommende Jahr bestimmt. Wie fest sie das Ruder dabei in der Hand halten und wie sie die vielen Stromschnellen unterwegs meistern werden, das wird sich zeigen, wenn sie erst einmal richtig Fahrt aufgenommen haben.


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Europäischer Rat und Ministerrat
Vermutlich wird es einige Zeit dauern, bis die institutionelle Struktur, die der Lissabon-Vertrag eingeführt hat, vollständig gefestigt (...)
Ungarn
Wer genau sind die neuen Gesichter der extremen Rechten in Europa? Sie sind jung, einige von ihnen sogar ziemlich angesehen – und sie erfreuen (...)
Früher kämpfte die Jobbik für das Überleben Ungarns - jetzt für ihr eigenes.

Auteurs

Carolin DYLLA

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Am 18. November 2012 wurde zum 12. Mal der Siebenpfeiffer-Preis verliehen – und Die Euros haben von der Jury eine lobende Anerkennung erhalten.

In der Begründung der Jury heißt es dazu:

„Dieses Online-Portal von Studierenden und jungen Absolventen unterschiedlicher Universitäten in Europa bietet Informationen und Reflexionen zu Europa und zur Politik der Europäischen Union. Im digitalen Dialog geht es um soziale, politische, wirtschaftliche und kulturelle Fragen – aus Sicht und in der Aufmachung der jüngeren Generation. Zusätzlich zu diesem Medienprojekt verstehen sich „Die Euros“ auch als Netzwerk der Zivilgesellschaft, das die Bürgerbeteiligung und den Gemeinschaftssinn in Europa fördern will – ganz im Sinne Siebenpfeiffers und seiner Mitstreiter.“

Für Die Euros nahm Autorin Carolin Dylla in Homburg die Auszeichnung entgegen.

Den mit 5000 Euro dotierte Siebenpfeiffer-Preis erhielt in diesem Jahr der freiberufliche Auslandskorrespondent Detlef Drewes. Der Preis wird regelmäßig an Journalisten vergeben, die durch ihre Arbeit für Presse, Rundfunk und Fernsehen demokratisches Bewusstsein fördern, d.h. sich für ein freiheitliches Menschenbild und eine demokratisch-soziale Grundüberzeugung einsetzen – ganz in der Tradition Philipp Jakob Siebenpfeiffers. Mit dem Preis soll insbesondere journalistisches Engagement ausgezeichnet werden, das keine Rücksicht auf berufliche Karriere oder finanzielle Vorteile nimmt. Siebenpfeiffer selbst forderte Pressefreiheit und bekannte sich dazu Ende 1831 in seiner Zeitung „Der Bote aus Westen“, wo er den französischen Dichter und Autor Alphonse de Lamartine zitierte:

„Die Presse muß nothwendig frei sein, denn sie ist die Stimme aller, ihr Schweigen ist der Tod der Freiheit, jede Tyrannei, welche eine Idee morden will, beginnt damit, daß sie die Presse knebelt.“

Die Jury des Siebenpfeiffer-Preises setzt sich aus Mitgliedern der gleichnamigen Stiftung zusammen, die von den Journalistenverbänden in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Saarland sowie Thüringen bzw. der Hambach-Gesellschaft für historische Forschung und politische Bildung ernannt werden, dem Publizisten Fred Oberhauser, sowie je einem Vertreter der Saarbrücker Zeitung und des Saarländischen Rundfunks sowie zwei Vertretern des Saarpfalz-Kreises.

Wir, das Euros-Team – Julia Korbik (Chefredakteurin), Vera Kissler (stellv. Chefredakteurin) und Helene Banner (Projektleiterin Die Euros) – danken der Siebenpfeiffer-Stiftung für die Auszeichnung. Gerade in Zeiten der Euro-Krise ist es wichtig, Europas Bürgerinnen und Bürgern Analysen, Meinungen und Reportagen zu bieten, die einen anderen Blick auf die EU und Europa ermöglichen. Denn: Europa ist eben nicht nur die EU.

Die Euros basieren auf ehrenamtlichem Engagement. Jeder von uns steckt regelmäßig viel Arbeit und Herzblut in das Projekt. Dass solches Engagement nun mit einer lobenden Anerkennung gewürdigt wird, freut uns sehr. Ein großer Dank geht an alle unsere Autorinnen und Autoren, Übersetzer und Übersetzerinnen: Ohne euch wären Die Euros nicht dort, wo sie heute sind. Wenn ihr nicht unermüdlich Beiträge schreiben und Texte unserer anderen Sprachversionen übersetzen würdet, wäre unsere Seite leer. Diese Auszeichnung ist vor allem eure Auszeichnung.

Die verschiedenen Sprachversionen der Euros:

http://www.eurosduvillage.eu (FR) http://www.glieeuros.eu (ITA) http://www.theeuros.eu (ENG) http://www.loseuros.eu (SPA)

Die Euros erhalten lobende Anerkennung der Siebenpfeiffer-Stiftung

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