Die amerikanische Finanzkrise hält nun bereits seit August 2007 an. Ihren Ursprung hatte sie ganz in der Nähe des Durchschnittamerikaners, in den Peripherien des Wirtschaftssystems, mit dem Platzen der Immobilienblase. Neue Hausbesitzer in Kalifornien, Nevada oder in Florida, mit einer nicht ganz tadellosen Vergangenheit als Schuldner, hatten Schwierigkeiten, ihre Kreditraten zurückzubezahlen. Sie hatten auch keine Möglichkeit, mit ihren Banken über die Vertragsbedingungen neu zu verhandeln, wie es 2007 geschehen war. Ihre Häuser verloren immer mehr an Wert, manchmal lag der Wert sogar unter dem aufgenommenen Darlehen. Also hätte nicht einmal der Verkauf der Immobilien die Schuldner vor hohen Verlusten bewahrt.
Ursprung und Entwicklung der Krise
Eine unbezahlte Kreditrate bedeutet einen Verlust für denjenigen, der in dieses Darlehen investiert hat. Und Verluste dieser Art sind in den vergangenen Monaten in Form von Verbriefungen direkt an die Wallstreet, nach London und zu den großen Investmentbanken gelangt. Darlehensverträge verschiedener Herkunft wurden von den großen Investmentbanken in Form von Anleihen gezeichnet, gruppiert und auf dem Kapitalmarkt wiederverkauft. Die Investoren sahen kein großes Risiko in diesen Darlehen. Die Erwartung eines kontinuierlichen Preisanstiegs der Immobilien führte dazu, dass selbst Kredite von Leuten mit geringer Bonität als Investition mit beschränktem Risiko gehandelt wurden. Diese Erwartungen wurden später bitter enttäuscht. Als die Immobilienpreise plötzlich sanken, verzeichneten die Darlehen die ersten gewaltigen Verluste und der Renditenmarkt geriet in eine Krise.
Die Verluste schlagen sich nun in den Bilanzen der Banken nieder, welche in diese Anleihen investiert hatten. Da es schwierig war, diese Wertverluste in den Bilanzen der Geldinstitute auszuweisen, stiegen die Interbankraten (Zinssätze, zu welchen sich Banken bei anderen Banken refinanzieren) plötzlich sehr stark an. Die ersten Eingriffe zur Unterstützung des Kreditsektors von Seiten der US-amerikanischen Notenbank, Federal Reserve (Fed), der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bank von England wurden mit der Kreditknappheit der Geldinstitute begründet.

- Wall Street
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Vor allem die amerikanische Börse bekommt die Krise stark zu spüren, aber mittlerweile ist die ganze Welt davon betroffen.
Im März 2008 bereitete JP Morgan mit Unterstützung der Fed die Übernahme der Investmentbank Bear Sterns vor. Dies und die darauffolgenden Liquiditätsspritzen der amerikanischen Zentralbank sollten das Vertrauen in das Kapitalmarktsystem wiederherstellen. Die Banken, die in Schwierigkeiten geraten waren, sollten weiterhin in der Lage sein, Finanzierungskredite an die Wirtschaft auszugeben. Somit sollten eine Ausweitung der Krise sowie negative Auswirkungen auf das Bruttoinlandsprodukt unterbunden werden.
Hingegen schien die Insolvenz von Lehman Brothers eine zweite Phase im Verlauf der Krise einzuläuten. Es war nun nicht mehr möglich, die Unterstützung durch Regierung und Zentralbank als außerordentliche Maßnahme zur Rettung einzelner privater Banken einzufordern, wie es zuvor bei AIG, Fannie Mae, Freddie Mac und Bear Sterns geschehen war, als die Stabilität des Wirtschaftssystems nicht gefährdet schien. Genau diese Gefahr wurde in der Folge immer deutlicher, je mehr Banken in aller Welt in Schwierigkeiten gerieten und auf staatliche Rettungsaktionen angewiesen waren.
Die Folgen der Krise
Das Ausmaß der Auswirkungen der Finanzkrise auf den Produktionssektor und das Volkseinkommen ist schwer einzuschätzen. Die Gesamtauswirkungen werden davon abhängen, welche Folgen die restriktive Kreditvergabe, die das Finanzsystem schwer getroffen hat, auf die Investitionen, auf die Beschäftigung und folglich auf die Kaufkraft der Konsumenten hat und wie erfolgreich die wirtschaftspolitischen Maßnahmen dieser Monate sein werden. Wenn Bear Stern, Fannie Mae, Freddie Mac und AIG Insolvenz angemeldet hätten und die Fed es nicht für nötig befunden hätte, die krisengebeutelten Märkte mit Liquidität zu versorgen, wäre die Arbeitslosigkeit bis Ende August gut über 6,1% gestiegen.
Der Preissturz der Immobilien und die Kreditkrise sind mit dem Anstieg der Energie- und Rohstoffpreise zusammengefallen. All diese Umstände haben sich in den letzten Monaten negativ auf das Konsumverhalten der Durchschnittsamerikaner ausgewirkt und folglich die Nachfrage verringert.
Die amerikanischen Medien berichten, dass einige Viertel in Detroit und Vororte von Las Vegas auf Grund der Subprimekrise unbewohnt seien. Auch Restaurants und Geschäfte stecken in Schwierigkeiten, während die amerikanische Großhandelskette WalMart Rekord-Gewinne verzeichnet, da sich immer mehr Verbraucher entschließen zu sparen und preisgünstige Waren zu konsumieren.
Wie schon erwähnt, ist diese Krise in den Peripherien entstanden und hat sich dann auf das Zentrum des Finanzsystems zubewegt. Es wird erwartet, dass die Ausläufer des Sturms auch Auswirkungen auf den Rest des Landes haben werden, aber der Schaden wurde durch die wirtschaftspolitische Maßnahmen abgeschwächt, da man viel aus den Fehlern der „Großen Depression“ von 1929 gelernt hatte.
Auf Grund der Kreditverknappung kann man, laut einer Schätzung von Goldman Sachs, in den USA mit einem Wachstumsrückgang um zwei Prozentpunkte in Hinblick auf das Vorjahr rechnen. Diese Prognose gilt sowohl für das Jahr 2008 als auch für 2009.
Wirtschaftspolitische Maßnahmen
Die Investoren reagierten nervös auf die Insolvenz von Lehman und es scheint, dass auch sie sich eine langfristige Lösung erhoffen. Der Kongress in Washington befasst sich schon seit längerem mit dem Gedanken, eine staatliche Abwicklungsbehörde einzurichten, die faule Kredite aufkauft (Schuldverschreibungen mit hohem Risiko, die auf dem Markt keinen Käufer finden).

- Das Kapitol in Washington
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Das Repräsentantenhaus hatte den Rettungsplan der Regierung Bush zunächst abgelehnt, schließlich stimmte der Kongress zähneknirschend zu.
Der Vorschlag des Finanzministeriums und der Fed, die Rettungspakete mit Steuergeldern zu finanzieren, wurde vom Abgeordnetenhaus zunächst abgelehnt. Nach einer Woche dramatischer Verhandlungen hat der Kongress in Washington dem 700 Milliarden US-Dollar schweren Notplan der Regierung Bush von am 3. Oktober jedoch zugestimmt.
Eine staatliche Abwicklungsbehörde kauft demnach bei Versteigerungen auf dem Markt alle Schuldverschreibungen auf, die keinen Käufer finden. Unter diesen befinden sich natürlich die Subprime-Kredite, aber die Rede ist auch von Konsumentenkrediten und gewerblichen Krediten. Es ist momentan schwierig für das Finanzsystem, den genauen Wert bzw. die Verluste für die kommenden Monate und Jahre dieser Schuldverschreibungen einzuschätzen.
Der amerikanische Steuerzahler muss nun darauf vertrauen, dass im Laufe der Zeit die Unsicherheit, die die Werte der aufgekauften Wertpapiere gesenkt hatte, verschwunden sein wird und ihre Rendite wieder steigen wird. Wenn der Staat einen Dollar für einen Schuldtitel an die Banken zahlen müsste, der bei Fälligkeit nur noch 50 Cent wert ist, würde das für die Steuerzahler einen Verlust bedeuten, wohingegen die Banken einen Gewinn daraus ziehen würden. So dürften aller Wahrscheinlichkeit nach die Banken, die zum großen Teil Schuld an dieser Situation sind, letztendlich noch paradoxerweise vom Staat unterstützt werden. Eine andere Sorge galt der Gefahr, dass die Banken sich vor den Versteigerungen über ungerechtfertigte Bewertungen der Wertpapiere abstimmen könnten und die Steuerzahler mit zu hohen Preisen belasten könnten. Die Öffentlichkeit und die Mitglieder des Kongresses forderten, dass der Staat Wertpapiere von den Banken kaufen solle, die vom Rettungspaket Gebrauch machen. Dies würde dem Fiskus ermöglichen, vom zukünftigen Gewinn der Geldinstitute zu profitieren, ohne aber die Eigentumsstruktur des Sektors zu verändern.

- US-Finanzminister Henry Paulson
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Er hatte den Rettungsplan der US-Regierung in Höhe von 700 Millionen Dollar vorgelegt.
Außerdem wurde mit dem Notfallplan eine Beschränkung der Gehälter von Bankvorständen beschlossen sowie Entlassungen derer, die in der Vergangenheit Fehler gemacht haben. Auf diese Weise sollte verhindert werden, dass die Gelder der Steuerzahler, mit denen die Kreditinstitute gerettet werden sollen, denen zufließen, die Fehler gemacht haben und mitverantwortlich für die Krise sind.
Das Hauptproblem jedoch liegt woanders : Wie schafft man es, durch diese Maßnahmen sowohl Druck ausüben, als auch die Banken das nächste Mal zur Verantwortung ziehen ? Ob die aktuellen Pläne das gewährleisten können, ist ungewiss. Genau so wenig kann man durch Gehaltsbeschränkungen sicherstellen, dass die neuen Top-Manager nicht erneut die Risiken der Investitionen unterschätzen.
Vielleicht ist der Vorschlag von Luigi Zingales von der Universität Chicago sinnvoller, den Finanzinstituten teilweise Schulden zu erlassen. Ihre Assets haben an Wert verloren und deshalb haben sie nun Schwierigkeiten, ihre Schulden zu begleichen. Ein partieller Schuldennachlass würde den Druck auf die Bankbilanzen verringern und die Verluste der Branche für ihre Gläubiger und Aktionäre erträglicher machen. Diese waren sich bewusst, in ein riskantes Geschäft zu investieren und somit mussten sie auch mit negativen Renditen rechnen. Frühere Beispiele haben gezeigt, dass diese Maßnahmen mittelfristig sowohl für Gläubiger als auch für Schuldner von Vorteil waren. Der Finanzsektor schien diese Lösung jedoch abzulehnen. Denn in diesem Fall hätte er im Vergleich zum Rettungsplan noch höhere Verluste hinnehmen müssen.
Abgesehen davon, dass es wünschenswert ist, die Schuldigen zur Verantwortung zu ziehen, scheinen neue Regulierungsmaßnahmen in der Finanzbranche notwendig, die unter anderem verschiedene und bessere Kriterien der Führung und Bewertung des Kreditrisikos und Maßnahmen für Anreize in der Bankenbranche vorsehen, welche das Top-Management vorsichtiger sein lassen bei ihrer Erstellung der Bilanzen der Geldinstitute.
Wie Daniel Gross ganz richtig auf slate.com bemerkt hat, ist das Fehlen externer Auflagen für die hohe Risikobereitschaft mitverantwortlich. Hätten die Manager einer Bank wie Lehman Brothers in der Vergangenheit nicht so risikobereit in Subprime-Kredite investiert und so auch weniger hohe Gewinne erzielt als ihre direkten Konkurrenten, wären sie wahrscheinlich entlassen worden.
Szenarien in Europa und dem Rest der Welt
Die Auswirkungen der amerikanischen Krise auf Europa zeigten sich zuerst in Großbritannien, da dessen Kreditsystem sehr eng mit dem amerikanischen verbunden ist. Auch Spanien erlebte eine Immobilienkrise und auch das Bankensystem schien schon seit einigen Monaten in einer Krise zu stecken. Im Oktober und November überschlugen sich dann die Ereignisse, bis hin zum Bankrott ganzer Volkswirtschaften in Europa.
Allgemein kann man beobachten, dass die Krise die Investoren vorsichtiger hat werden lassen. Sie investieren nun mehr in sichere Anlagen (wie zum Beispiel Rohstoffe, Edelmetalle, amerikanische Staatsanleihen). Das führt natürlich auch zu ungünstigeren Kreditbedingungen für die europäischen Konsumenten und Unternehmer, was wiederum eine Konjunkturabschwächung in Europa zur Folge hat.
Besorgniserregender ist, dass das Vertrauen in das amerikanische Wirtschaftssystem immer mehr schwindet. Daher ist es unerlässlich, in kürzester Zeit umfassende Reformen durchzuführen. Die Markteingriffe des Finanzministeriums und der Fed waren bis jetzt Notmaßnahmen. Im Hinblick auf den großen Einfluss der Vereinigten Staaten auf fremde Kapitalmärkte, musste man insbesondere darauf achten, den ausländischen Investoren nicht zu schaden.
China hält Anleihen und Schuldverschreibungen von Fannie Mae und Freddie Mac in einem Umfang, der 10% seines Bruttoinlandsprodukts entspricht. Allein schon die Befürchtung einer Insolvenz der beiden Riesen hätte China dazu veranlassen können, vorsichtshalber seine Anteile zu liquidieren. Dies hätte eine Kettenreaktion ausgelöst, die enorme Verluste in den Bilanzen der beteiligten Investoren auf allen Finanzmärkten nach sich gezogen hätte.
China trägt außerdem einen bedeutenden Teil der US-Staatsverschuldung und wird demzufolge ganz genau die Interventionen der US-Regierung, wie beispielsweise die Übernahme von Fannie, Freddie und AIG und den Aufkauf fauler Kredite durch den Staat verfolgen.
Nach der Bewältigung der Kreditkrise scheint eine Reform des Finanzsystems nun unausweichlich. Der Abbau der immensen amerikanischen Staatsverschuldung, welche zurückzuführen ist auf die Finanzierung von Militäreinsätzen durch die Bush-Regierung und die Finanzierung des Rettungspakets für den Finanzsektor, ist unerlässlich, ebenso wie strategische Entscheidungen, die helfen die Verteuerung der Rohstoffe und Energie einzudämmen. Es liegt also ein gutes Stück Arbeit vor dem neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten und für die EU-Behörden. Der G20-Weltfinanzgipfel in Washington Ende November sowie die Konsultationen unter den europäischen Staats- und Regierungschefs könnten der Anfang zu einer grundlegenden Reform des globalen Finanzsystems sein - die Krise könnte zu einer Chance werden, wenn alle Parteien kooperieren.


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Alle radici della crisi economica

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