Sechs Griechen und Griechinnen, zehn Fragen, sechzig verschiedene Antworten. Ist die Stimmung im Land wirklich so hoffnungslos ? Teil eins unserer Interviewserie : Vassiliki und Jannis.
VASSILIKI, Geschichts- und Beratungslehrerin
1 – Wann hast Du die Krise zum ersten Mal gespürt ?
Vor zwei Jahren, nach dem Zusammenbruch des Sozialstaats und der Abschaffung der Arbeiterrechte. Die Arbeitslosigkeit ist heute auf einem astronomisch hohen Niveau.
2 – Findest Du, dass die letzten griechischen Regierungen sich in den letzten fünf Jahren angemessen verhalten haben ?
Mit Sicherheit nicht. Korruption, Vetternwirtschaft, Klientelpolitik und die falschen Leute auf Schlüsselposten.
3 – Glaubst Du, dass die Einführung des Euro zu der Krise geführt hat ?
Mit Sicherheit nicht. Man braucht dem Euro nicht die Schuld zuschieben.
4 – Was müsste getan werden, um die aktuelle politische und wirtschaftliche Situation zu ändern ?
Man müsste die Bedingungen des Memorandums ändern. Es ist zu ungerecht und wird zur Depression führen. Eigentlich müssten auch die Schulden neu verhandelt werden, und wir brauchen einen „Marshall Plan“ für Südeuropa.
5 – Was hältst Du von den Ergebnissen der Wahlen am 6. Mai (ein zweiter Wahlgang fand am 17. Juni statt, Anm. D. Red.) ?
Sehr ermutigend. Die Leute haben begonnen, anders zu denken. Hoffen wir, dass das anhält.
6 – Was hältst Du von einem möglichen Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone ?
Daran denke ich nicht. Es würde zu Unruhen in ganz Europa kommen, und für Griechenland wäre es verheerend.
7 – Was hältst Du von den Entscheidungen der EU in Bezug auf die Situation in Griechenland ?
Sie sind provokativ, ungerecht und erniedrigend. Die getroffenen Entscheidungen dienen nur dazu, die Banken und die Interessen ein paar Weniger zu schützen.
8 – Wie findest Du das momentane Wahlsystem in Griechenland ? Würdest Du es ändern wollen ?
Ich wünsche mir ein logischeres Wahlsystem, und vor allem eines, das nicht für ein paar Parteien maßgeschneidert ist.
9 – Wie siehst Du Griechenland in den nächsten drei Jahren ?
Leidend und überanstrengt, aber wahrscheinlich reifer.
10 – Ein Wort zur Beschreibung der momentanen Schwierigkeiten Griechenlands.
Chaos und Verwüstung.

- Internationale Solidarität
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Soli-Veranstaltung für griechische Stundenten und Arbeiter in Paris.
Quelle : http://www.flickr.com/photos/souwar/
JANNIS , 31 Jahre, Architekt, junger Grieche, der in Frankreich lebt.
1 – Wann hast Du die Krise zum ersten Mal gespürt ?
In dem Moment als ich verstanden habe, wie das Wirtschaftssystem funktioniert... Die Krise ist, wie heute sichtbar, wieder hochgekocht – aber sie war immer da, in unserem kapitalistischen System.
2 – Findest Du, dass die letzten griechischen Regierungen sich in den letzten fünf Jahren angemessen verhalten haben ?
Ein ganz klares Nein.
3 – Glaubst Du, dass die Einführung des Euro zu der Krise geführt hat ?
Nein. Nicht das, was wir verwenden, ist der Grund für ein Problem, sondern wie wir es verwenden, mit welchen Grenzen und für wen und wofür.
4 – Was müsste getan werden, um die aktuelle politische und wirtschaftliche Situation zu ändern ?
Aufwachen, Leute ! Schaut euch um und kämpft für eure Träume ! Eure wirklichen Träume, nicht die, die in Euros und Dollar gepresst sind ! Falls die Leute sich wirklich ändern, kann auch die wirtschaftliche und politische Situation nicht mehr anders, als sich zu verändern. Die schwierigste und wichtigste Krise, die wir durchleben... ist die in unseren Köpfen.
5 – Was hältst Du von den Ergebnissen der Wahlen am 6. Mai (ein zweiter Wahlgang fand am 17. Juni statt, Anm. d. Red.) ?
Nicht schlecht, aber auch nicht gut. Ergebnisse, die zu erwarten waren. Keine Überraschungen.
6 – Was hältst Du von einem möglichen Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone ?
Wenn die Eurozone sich nicht verändern will – sie müsste anthropozentrischer und weniger banken-zentrisch sein –, dann sehe ich das Ausscheiden Griechenlands als eine mögliche und gute Alternative.
7 – Was hältst Du von den Entscheidungen der EU in Bezug auf die Situation in Griechenland ?
In erster Linie sehe ich überhaupt nicht diese „eine Union“.
8 – Wie findest Du das momentane Wahlsystem in Griechenland ? Würdest Du es ändern wollen ?
Klar würde ich es ändern wollen ! Aber zu allererst würde ich das System der Regierung ändern. Das Volk braucht keine Vertreter, das Volk braucht keine anderen Leute, die für es entscheiden. Das „Parlament“ muss für alle offen sein. Die Demokratie muss den Demos, das Volk, neu erfinden.
9 – Wie siehst Du Griechenland in den nächsten drei Jahren ?
In einer waschechten Krise ! Einer Finanzkrise, einer humanitären Krise... Leider sehe ich auch, dass die Märkte bereit sind, alles für ihr Ziel zu opfern, kein Geld zu verlieren. Nur die internationale Solidarität und die menschlichen Werte könnte eine Hoffnung für die nächsten drei oder sechs oder tausend Jahre sein.
10 – Ein Wort zur Beschreibung der momentanen Schwierigkeiten Griechenlands.
Nostalgie – ich bin ja ein Immigrant.
Demnächst : Teil 2 mit Katerina und Nick.


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Vassiliki e Iannis : l’altra faccia della tragedia greca