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Europa erklärt (1/7) : Warum und wozu überhaupt Europa ?

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Die Ideen hinter der europäischen Einigung

Der erste Beitrag dieser neuen Reihe befasst sich mit den Gründen, warum die Europäischen Gemeinschaften, die Vorreiter der heutigen EU, in den 1950er Jahren ins Leben gerufen wurden. Frieden, Wohlstand und eine gemeinsame Politik sind auch heute noch der Antriebsmotor hinter der europäischen Einigung.


Die Umstände, die zur Herausbildung der EU geführt haben, wie wir sie heute kennen, sind umfangreich und komplex. Drei Hauptgründe lassen sich jedoch erkennen, die die Väter (und Mütter) der EU dazu bewogen haben, diesen Weg zu beschreiten. Dies sind zum einen Frieden und dessen Sicherung und zum anderen Wohlstandsschaffung- und vermehrung, sowie das Betreiben einer gemeinsamen Politik.

Ein Friedensprojekt

Anstoß für die Grundsteinlegung zur heutigen EU waren die schrecklichen Erfahrungen der beiden Weltkriege, maßgeblich bestimmt durch die jahrhundertelange Feindschaft zwischen Frankreich und Deutschland.

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Konrad Adenauer und Charles de Gaulle.

Die Versöhnung Frankreichs und Deutschlands war grundlegend für die europäische Einigung.

Mit dem zunächst wirtschaftlichen Zusammenschluss sollte ein Zeichen gesetzt werden : Die Zusammenlegung der Kohle- und Stahlwirtschaft legte einen wichtigen Grundstein dafür, dass keines der beteiligten Länder ohne Wissen und Zustimmung des anderen erneut aufrüsten könnte. Denn Kohle und Stahl sind Hauptkomponenten für den Rüstungssektor. Durch Zusammenarbeit und gegenseitige Kontrolle sollte jeder Krieg zwischen Frankreich und Deutschland « nicht nur undenkbar, sondern materiell unmöglich » werden, so formulierte es Robert Schuman, damals französischer Außenminister. Die Zusammenlegung erfolgte vertraglich durch die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS), die 1951 gegründet wurde und, da auf 50 Jahre befristet, 2001 auslief. Die mit ihr verbundenen wesentlichen Ziele waren zu diesem Zeitpunkt jedoch erreicht. Gründungsstaaten der EGKS waren Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlande.

Von 1990 an trug der Europäische Einigungsprozess auch maßgeblich zur Überwindung der Spaltung Europas infolge des Kalten Krieges bei. So wurden zehn zentral- und osteuropäische Staaten an die EU herangeführt und traten schließlich 2004 und 2007 der EU bei. In Zukunft könnte der europäische Einigungsprozess auch zur Befriedung und Stabilisierung des westlichen Balkans beitragen. Große Herausforderungen sind dabei zur Zeit insbesondere die Abspaltung des Kosovo von Serbien sowie die für 2011 geplante EU-Mitgliedschaft Kroatiens.

Die Wirtschaft als Motor der Integration

Die 1957 unterzeichneten Römischen Verträge gründeten die noch heute bestehende Wirtschaftsgemeinschaft und die Europäische Atomgemeinschaft. Ein europäischer Binnenmarkt mit der Freiheit des Handels-, des Personen-, Dienstleistungs- und Kapitalverkehrs wurde angestrebt. Durch diese Verzahnung der europäischen Wirtschaft sollte und soll der Lebensstandard in ganz Europa gehoben und die sicherheitspolitische Stabilität im EU-Raum ausgebaut werden. In diesem Zusammenhang ist auch die Einführung des Euro als gemeinsame Währung sowie die Öffnung der Grenzen innerhalb der EU durch die beiden Schengener Abkommen einzuordnen, die ein beschwerde- und kontrollfreies Reisen zwischen vielen Ländern der EU ermöglichen.

Der Euro.
Anfangs oft als Teuro beschimpft hat sich der Euro in vielerlei Hinsicht bewährt.

Der europäische Binnenmarkt wurde mit dem Vertrag von Maastricht (1993) vollendet und eine politische Einheit mit der Gründung der « Europäischen Union » angestrebt. Damit war der Weg für eine gemeinsame Außen- und Innenpolitik geebnet.

Bisher war die Wirtschaft oft ein Vorreiter für die Einigung in der EU. Wirtschaftliche Interessen sind der Grund dafür, dass grenzüberschreitende Zusammenarbeit und Angleichung oft von allein folgte. Sie zogen politische Entwicklungen und die rechtliche Absicherung der wirtschaftlichen Entwicklungen nach sich. Politische gemeinschaftliche Arbeit ist jedoch oft schwieriger durchzusetzen. Hier nämlich spielen nationale Interessen häufig eine große Rolle.

Weltpolitik mit anderem Ansatz

Europa will auch einen Gegenpol zu anderen Großmächten der Erde sein, nicht zuletzt, um die Balance der weltpolitischen Machtverteilung zu sichern und mit ihrer eigenen Politik Zeichen zu setzen, wie man anders mit weltpolitischen Konflikten umgehen kann. Dabei vertritt sie die Werte Freiheit, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und die Achtung der Menschenrechte.

Justitia, die römische Göttin der Gerechtigkeit und des Rechtswesens.

Dass die EU-Länder heute inbesondere außenpolitisch noch nicht mit einer Stimme sprechen - jüngstes Beispiel ist die Anerkennung des Kosovo - ist dabei Manko und größte Herausforderung zugleich. Einige Schritte in die Richtung sind unternommen, wie beispielsweise die Regeln über die gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik (GASP) im EU-Vertrag von 1993. Doch bis zu dem sicherlich wünschenswerten Ziel, eine gemeinsame europäische Außenpolitik zu realisieren, ist es noch ein langer Weg, der viel Arbeit und auch Zugeständnisse von den Mitgliedstaaten verlangen wird.

Fazit

Die Grundsteinlegung für die heutige EU in den 1950er Jahren erfolgte zur Sicherung des Friedens, zur Erhaltung und Förderung des Wohlstands nach dem Krieg sowie zur Schaffung einer gemeinsamen Politik. Diese Gründe sind sicher auch heute noch nachvollziehbar und die Ziele wünschenswert. Daher verdient das Projekt EU weiterhin Zustimmung, wenn auch noch einige politische Herausforderungen ausstehen.


Bildquellen :

http://www.stupidedia.org/images/th...

http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:J...

http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:1...


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Sebastian LOTTKUS

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