Europa erklärt (5/7) : Wo sind die Grenzen der EU ?

Wissenswertes über vergangene und künftige Erweiterungen

Die EU übt auf ihre Nachbarn eine große Anziehungskraft aus und hat sich in ihren Grenzen den geografischen Ausmaßen Europas immer weiter angenähert. Wo eines Tages Schluss sein soll, bleibt eine offene Frage. Die Euros werfen einen Blick zurück auf die vergangenen Erweiterungsrunden und erklären, wer in die EU darf und wer nicht. Und wer offensichtlich gar nicht rein will – oder doch ?


Die EU hat mittlerweile 27 Mitgliedstaaten. Die letzte Erweiterung fand am 01.01.2007 mit der Aufnahme Rumäniens und Bulgariens statt. Damit ist die so genannte EU-Osterweiterung einen weiteren Schritt vorangekommen.

Die größte Erweiterung ihrer Geschichte erlebte die EU im Jahre 2004. Damals sind auf einen Schlag zehn neue Mitgliedsländer aufgenommen worden. In alphabetischer Reihenfolge : Estland, Lettland, Litauen, Malta, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn und Zypern (der südliche, griechisch besiedelte Teil). Allerdings fielen die Grenzkontrollen erst im Dezember 2007 weg und für Arbeitnehmer aus den neuen EU-Staaten haben immer noch nicht alle der „alten“ Mitglieder ihre Arbeitsmärkte geöffnet. Solche Übergangsregelungen sind auch auf anderen Gebieten bei EU-Beitritten durchaus üblich. Den Euro müssen zwar alle seit 2004 beigetretenen Länder einführen, jedoch erst, wenn sie die Stabilitätskriterien erfüllen. Bisher haben dies Slowenien, Malta, Zypern und die Slowakei geschafft.

Damit stellen sich die heutigen Mitglieder der EU in der Reihenfolge der Größe der Bevölkerung wie folgt dar (in Klammern die Bevölkerungszahl und das Jahr des Beitritts zur EWG/EG/EU) :

Deutschland (82 Mio / 1957) (Gründungsmitglied)

Frankreich (60 Mio / 1957) (Gründungsmitglied)

Großbritannien (59 Mio / 1973)

Italien (57 Mio / 1957) (Gründungsmitglied)

Spanien (42 Mio / 1986)

Polen (38 Mio / 2004)

Rumänien (22 Mio / 2007)

Niederlande (16 Mio / 1957) (Gründungsmitglied)

Griechenland (11 Mio / 1981)

Portugal (11 Mio / 1986)

Belgien (10 Mio / 1957) (Gründungsmitglied)

Tschechien (10 Mio / 2004)

Ungarn (10 Mio / 2004)

Schweden ( 9 Mio / 1995)

Österreich ( 8 Mio / 1995)

Bulgarien ( 7 Mio / 2007)

Dänemark ( 5 Mio / 1973)

Slowakei ( 5 Mio / 2004)

Finnland ( 5 Mio / 1995)

Irland ( 4 Mio / 1973)

Litauen ( 4 Mio / 2004)

Lettland ( 2 Mio / 2004)

Slowenien ( 2 Mio / 2004)

Estland ( 1 Mio / 2004)

Zypern (0,7 Mio/ 2004)

Luxemburg (0,4 Mio/ 1957) (Gründungsmitglied)

Malta (0,4 Mio/ 2004)

Übrigens gehören auch die französischen Übersee-Departements Französisch Guayana, die Karibikinseln Martinique und Guadeloupe sowie La Réunion im Indischen Ozean zur EU.

PNG - 23.9 ko
So fing alles an : Die Gründungsmitglieder der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft von 1957.

Diese sechs Staaten hatten sich bereits zuvor zur Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl zusammengeschlossen.

Im Ganzen hat die EU heute 493 Mio. Einwohner. Sie stellt an ihrem Bruttoinlandsprodukt gemessen außerdem den größten Wirtschaftsraum der Welt dar.

Insgesamt gab es in der Zeit von 1957 bis heute sechs Erweiterungsrunden :

1973 mit Großbritannien, Irland und Dänemark

1981 mit Griechenland

1986 mit Spanien und Portugal

1995 mit Schweden, Finnland und Österreich

2004 mit Estland, Lettland, Litauen, Polen, Ungarn, Tschechien, Slowenien, Slowakei, Süd-Zypern und Malta

2007 mit Rumänien und Bulgarien

Norwegen ist bis heute kein Mitglied der EU geworden. Bisher haben in Norwegen zwei Volksbefragungen stattgefunden, die beide mit einem „Nein“ zum Beitritt ausgingen. Gleichwohl unterhält Norwegen sehr enge wirtschaftliche Beziehungen zur EU und ist auch Mitglied im Europarat. Norwegen gehört außerdem, ebenso wie Island und Liechtenstein, zur EFTA (Europäische Freihandelsassoziation) und zum EWR, dem Europäischen Wirtschaftsraum. Alle drei Länder nehmen damit am gemeinsamen Binnenmarkt teil.

Die Schweiz hingegen gehört zwar zur 1960 gegründeten EFTA, die den europäischen Handel und die wirtschaftliche Zusammenarbeit fördern soll, jedoch nicht zum 1992 entstandenen Europäischen Wirtschaftsraum (EWR). Nichtsdestotrotz unterhält auch die Schweiz enge Beziehungen mit ihren europäischen Nachbarn. Mehrere bilaterale Verträge mit der EG sorgen dafür, dass die Schweiz am europäischen Binnenmarkt teilhaben kann. Auch sonst übernimmt sie im so genannten autonomen Nachvollzug viele Gesetze und Regelungen der Europäischen Union und hat 2005 per Volksentscheid beschlossen, den Abkommen von Schengen und Dublin (Asyl) beizutreten.

JPEG - 28.6 ko
Geografisch gesehen reicht Europa bis an den Ural - politisch noch lange nicht.

Weitere Beitrittsaspiranten der EU sind Kroatien, Mazedonien, die Türkei, Albanien, Montenegro, Bosnien-Herzegowina, Serbien und das Kosovo. Die Ukraine würde ebenfalls gerne in die EU, hat aber bisher nicht einmal den Status eines potenziellen Kandidaten zuerkannt bekommen. Den offiziellen Kandidatenstatus haben bisher die Türkei, Mazedonien und Kroatien, sie stecken zum Teil schon seit mehreren Jahren in Beitrittsverhandlungen mit der EU. Bisher ist jedoch nicht abzusehen, wann diese Länder tatsächlich beitreten werden. Zu viele Probleme sind innerhalb der EU und in den jeweiligen Ländern noch zu lösen, als dass eine Erweiterung über Kroatien hinaus in nächster Zeit wahrscheinlich wäre. Das Verfahren vom Antrag bis zum Beitritt umfasst eine Vielzahl von Schritten. Einem Beitritt müssen außerdem alle bisherigen EU-Mitglieder sowie das Europaparlament zustimmen. Es gibt kein Recht auf Beitritt, sondern es handelt sich um eine politische Entscheidung. Im EU-Vertrag heißt es lediglich : „Jeder europäische Staat, der die in Artikel 6 Absatz 1 genannten Grundsätze achtet, kann beantragen, Mitglied der Union zu werden.“

PNG - 96.2 ko
Die aktuellen Kandidaten und anerkannte potenzielle Kandidaten.

Diese Grundsätze sind Freiheit, Demokratie, die Achtung der Menschenrechte und Grundfreiheiten sowie die Rechtsstaatlichkeit. Weitere politische und wirtschaftliche Beitrittskriterien wurden 1993 vom Europäischen Rat in Kopenhagen festgelegt. Die Beitrittsländer müssen bei Abschluss der Beitrittsverhandlungen vor allem institutionell stabil sein, eine funktionierende Marktwirtschaft aufweisen und den „Acquis communautaire“, also den Status quo des Gemeinschaftsrechts, in nationales Recht umgesetzt haben.


Bildquellen :

Gründungsmitglieder : http://upload.wikimedia.org/wikiped...

Satellitenfoto : http://upload.wikimedia.org/wikiped...

Beitrittsaspiranten : http://ec.europa.eu/enlargement/cou...


reagir   Imprimer   envoyer par mail   Auteurs
Espace réactions ()

BBB
7 juin 2009
20:18
Europa erklärt (5/7) : Wo sind die Grenzen der EU ?

Also, wer auch immer hier die Türkei als Beitrittskandidat aufgeführt hat, der hat entschieden etwas am Dotter. Wer solche Spinnereien in die Welt setzt, sollte sich klarmachen, daß nur 3% der Türkei in Europa liegen. Daß dies keine Zugehörigkeit zu Europa begründet, wußten schon die alten Römer und nannten das Gebiet der heutigen Türkei « Provinz ASIA » In diesem Sinn « SAPERE AUDE »

MfG

Helene Banner - Die Euros
7 juin 2009
22:56
Europa erklärt (5/7) : Wo sind die Grenzen der EU ?

Hallo,

seit 1999 ist die Türkei offiziell Beitrittskandidat und im Oktober 2005 haben die Beitrittsverhandlungen begonnen. Verhandlungen bedeuten aber, dass der Ausgang offen ist, je nachdem, wie sich die Türkei weiterentwickelt. Den Beitrittskandidatenstatus zu haben ist also noch kein Persilschein für einen tatsächlichen Beitritt. Dennoch ist es im Interesse der EU, mit der Türkei in Verhandlungen zu stehen, da sie umfassende Reformen, z.B. im Bereich Justiz, durchführt, die im Interesse der EU und der Stabilität in der Region sind.

Über die geografische Zugehörigkeit der Türkei zur EU wird seit jeher gestritten. Dass sie Beitrittskandidat geworden ist, hat die Türkei letztendlich der politischen und militärischen Situation des Kalten Krieges zu verdanken, denn als Verbündete der USA in der NATO war sie geostrategisch wichtig und schloss 1963 ein Assoziierungsabkommen der EU, das der Türkei einen Beitritt in Aussicht stellte.

Mehr Infos zu den Beitrittsverhandlungen mit der Türkei auf den Seiten der Europäischen Komission

Teri
7 mai 2012
18:20
Europa erklärt (5/7) : Wo sind die Grenzen der EU ?

excellent portail, à la fois riche en renseignements et parfait. Je vous encourage de rediger toujours Pareil. de tout coeur.

parier sur internet

bwin

Auteurs

Sebastian LOTTKUS

  Meist gelesen Meist kommentiert
Seit einem Monat | Seit immer
Frisch gezwitschert
Facebook

Am 18. November 2012 wurde zum 12. Mal der Siebenpfeiffer-Preis verliehen – und Die Euros haben von der Jury eine lobende Anerkennung erhalten.

In der Begründung der Jury heißt es dazu:

„Dieses Online-Portal von Studierenden und jungen Absolventen unterschiedlicher Universitäten in Europa bietet Informationen und Reflexionen zu Europa und zur Politik der Europäischen Union. Im digitalen Dialog geht es um soziale, politische, wirtschaftliche und kulturelle Fragen – aus Sicht und in der Aufmachung der jüngeren Generation. Zusätzlich zu diesem Medienprojekt verstehen sich „Die Euros“ auch als Netzwerk der Zivilgesellschaft, das die Bürgerbeteiligung und den Gemeinschaftssinn in Europa fördern will – ganz im Sinne Siebenpfeiffers und seiner Mitstreiter.“

Für Die Euros nahm Autorin Carolin Dylla in Homburg die Auszeichnung entgegen.

Den mit 5000 Euro dotierte Siebenpfeiffer-Preis erhielt in diesem Jahr der freiberufliche Auslandskorrespondent Detlef Drewes. Der Preis wird regelmäßig an Journalisten vergeben, die durch ihre Arbeit für Presse, Rundfunk und Fernsehen demokratisches Bewusstsein fördern, d.h. sich für ein freiheitliches Menschenbild und eine demokratisch-soziale Grundüberzeugung einsetzen – ganz in der Tradition Philipp Jakob Siebenpfeiffers. Mit dem Preis soll insbesondere journalistisches Engagement ausgezeichnet werden, das keine Rücksicht auf berufliche Karriere oder finanzielle Vorteile nimmt. Siebenpfeiffer selbst forderte Pressefreiheit und bekannte sich dazu Ende 1831 in seiner Zeitung „Der Bote aus Westen“, wo er den französischen Dichter und Autor Alphonse de Lamartine zitierte:

„Die Presse muß nothwendig frei sein, denn sie ist die Stimme aller, ihr Schweigen ist der Tod der Freiheit, jede Tyrannei, welche eine Idee morden will, beginnt damit, daß sie die Presse knebelt.“

Die Jury des Siebenpfeiffer-Preises setzt sich aus Mitgliedern der gleichnamigen Stiftung zusammen, die von den Journalistenverbänden in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Saarland sowie Thüringen bzw. der Hambach-Gesellschaft für historische Forschung und politische Bildung ernannt werden, dem Publizisten Fred Oberhauser, sowie je einem Vertreter der Saarbrücker Zeitung und des Saarländischen Rundfunks sowie zwei Vertretern des Saarpfalz-Kreises.

Wir, das Euros-Team – Julia Korbik (Chefredakteurin), Vera Kissler (stellv. Chefredakteurin) und Helene Banner (Projektleiterin Die Euros) – danken der Siebenpfeiffer-Stiftung für die Auszeichnung. Gerade in Zeiten der Euro-Krise ist es wichtig, Europas Bürgerinnen und Bürgern Analysen, Meinungen und Reportagen zu bieten, die einen anderen Blick auf die EU und Europa ermöglichen. Denn: Europa ist eben nicht nur die EU.

Die Euros basieren auf ehrenamtlichem Engagement. Jeder von uns steckt regelmäßig viel Arbeit und Herzblut in das Projekt. Dass solches Engagement nun mit einer lobenden Anerkennung gewürdigt wird, freut uns sehr. Ein großer Dank geht an alle unsere Autorinnen und Autoren, Übersetzer und Übersetzerinnen: Ohne euch wären Die Euros nicht dort, wo sie heute sind. Wenn ihr nicht unermüdlich Beiträge schreiben und Texte unserer anderen Sprachversionen übersetzen würdet, wäre unsere Seite leer. Diese Auszeichnung ist vor allem eure Auszeichnung.

Die verschiedenen Sprachversionen der Euros:

http://www.eurosduvillage.eu (FR) http://www.glieeuros.eu (ITA) http://www.theeuros.eu (ENG) http://www.loseuros.eu (SPA)

Die Euros erhalten lobende Anerkennung der Siebenpfeiffer-Stiftung

Politik
Wirtschaft
Gesellschaft & Medien
Nachhaltige Entwicklung
Innenpolitik
Außenpolitik
Institutionen & Brüssel
Deutschland
EU 27
Das andere Europa
Welt
© Groupe Euros du Village 2010 | Mentions légales | Webseite erstellt mit SPIP | Réalisation technique et design : Media Animation & Euros du Village France