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Geldpolitik : Mythos und Realität eines starken Euros

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Bedeutet ein starker Euro eine Schwäche für die Eurozone ?

Als der Euro 1999 eingeführt wurde, wurde er als Garant einer größeren Stabilität und eines gesteigerten Wohlstands für den alten Kontinent vorgestellt. Heute weicht der Enthusiasmus, der dem Übergang zur Einheitswährung folgte, der Enttäuschung, so dass mehrere Umfragen zum selben Ergebnis führen : eine größere Anzahl von Europäern sehnt sich nach der alten Nationalwährung. Die Politiker greifen noch dazu regelmäßig den Euro an, der als Sündenbock der Probleme mehrerer europäischer Volkswirtschaften mit Wachstumsschwierigkeiten herhält. Trotzdem sollte man dieses alarmierende Umfrageergebnis mäßigen, indem man noch einmal auf die Stärken und Schwächen der Einheitswährung zurückblickt.


Ein Drittel der Exporte führt die Europäische Union in die Welt außerhalb der Eurozone aus, weshalb ihre Ökonomie durch die Entwicklungen der Wechselkurse der wichtigen internationalen Devisen beeinflusst wird. Zwischen der Einführung des Euros am 1. Januar 1999 und Herbst 2000 ist der Wechselkurs des Euros von 1,18 auf 0,83 $ gefallen. Danach erstärkte die europäische Währung gegenüber dem Dollar, bevor sie, nach einem leichten Nachlass 2005, 2006 wieder um etwa 9% stieg und 2007 einen regelrechten Höhenflug antrat, der bis zum April 2008 mit einem Spitzenwert von 1,60$ für einen Euro anhielt.

Definitionen ökonomischer Fachwörter

Nominaler effektiver Wechselkurs Durchschnitt der bilateralen Wechselkurse einer Währung, gewichtet nach dem relativen Rang jedes Landes im Außenhandel mit dem betrachteten Staat.

Restriktive Geldpolitik

Erhöhung der Zinsen (Kreditzinsen) durch die Zentralbank.

Die Einführung der Einheitswährung bewirkte sowohl Diskussionen über die Inflationseffekte als auch über die Vertrauenskrise, die den Übergang belastet. Darüber hinaus sind heute einige Politiker und Unternehmer über die Stärke des Euros gegenüber den wichtigsten internationalen Währungen besorgt. Die Meinungen über die Auswirkungen eines starken Euros und der anzuwendenden Wechselkurspolitik gehen auseinander. Der deutschen Heiterkeit stehen französische Ängste gegenüber. Ohne im Detail auf die Rolle des Euros in der europäischen Wirtschaftsdynamik einzugehen, sollen hier die näheren Umstände der Entwicklung des Wechselkurses der europäischen Währung ein wenig aufgehellt werden.

Der hohe Anstieg des Euros gegenüber der amerikanischen und der japanischen Währung seit Oktober 2000 wurde lange Zeit, zumindest teilweise, zwei Faktoren zugeschrieben : zum einen den Spekulationen, gemäß denen die EZB ihren Leitzins schneller als die FED (amerikanische Zentralbank) und die Japanische Zentralbank erhöhen würde, zum anderen der Schwäche des Dollars und des Yens. Anschließend wurde der Anstieg der gesunden europäischen Wirtschaft zugeschrieben, was die EZB zu erneuten Zinserhöhungen antrieb. Ein starker Euro bedeutet für die europäische Wirtschaft derweil sowohl Vor- als auch Nachteile, im Folgenden näher erläutert werden.

Die Schwächen des starken Euros : Druck auf den Export

Bezüglich der Risiken ist klar, dass ein starker Euro die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen des alten Kontinents gegenüber ihren transatlantischen und japanischen Konkurrenten reduziert. In der Tat ist es so, dass, solange die europäische Einheitswährung stark ist, die Preise für die europäischen Produkte gegenüber denen aus anderen Ländern relativ gesehen teurer sind. Um ihre Marktanteile zu erhalten, sind europäische Exportfirmen gehalten, ihre Preise zu senken, was ihre Gewinnaussichten schmälert.

Die Entwicklung des Wechselkurses von Dollar und Euro
Nachdem der Euro bis Januar 2003 im Vergleich zum Dollar unterbewertet war, ist er heute immer noch gegenüber diesem überbewertet.

Die Unternehmen, die ihre Rechnungen in Dollar schreiben, sehen ihre Gewinnspannen direkt durch den Anstieg des Euros beeinträchtigt. Zum Beispiel bedeutet für die deutsch-französische EADS-Gruppe, die 20 Milliarden ihres Umsatzes in Dollar erwirtschaftet, aber deren Kostenbasis hauptsächlich in Euros steht, ein Wertgewinn von 10% der europäischen Währung eine Nettosenkung des jährlichen Ergebnisses um eine Milliarde Dollar. (Als Beispiel : Dies entspricht dem Budget für den Bereich Recherche et Développement (R&D) / Forschung und Entwicklung, das 2003 dem Projekt A380 zugeteilt wurde.)

So wird die Stärke des Euros, wenn sie anhält, laut einigen Spezialisten das Wachstum der Eurozone schädigen und langfristig zu einem neuen Anstieg der Arbeitslosigkeit führen. Ökonometrische Studien haben ermittelt, dass eine zehnprozentige Wertsteigerung der europäischen Währung gegenüber dem Dollar die Wachstumsrate der Eurozone um etwa 0,5 bis 1 Prozentpunkte senkt.

Laut den Volkswirten von Crédit Agricole sollte man den zu erwartenden Einfluss des starken Euros auf die Wettbewerbsfähigkeit jedoch relativieren. Auch wenn der Euro seit einigen Jahren immer mehr gegenüber dem Dollar gewinnt, so ist der nominale effektive Wechselkurs doch relativ stabil geblieben (er ist zum Beispiel 2006 bloß um 2% gestiegen). Die Währungen der Schwellenländer konnten sich in den letzten Jahren gegenüber dem Euro aufwerten, weshalb man die Ansicht vertreten darf, dass „sich der Effekt des Wechsels auf die globale Wettbewerbsfähigkeit der zwölf Euroländer fast auf Null beläuft“ und dass der Wertgewinn des Euros keine wirkliche Gefahr darstellt.

Die Trümpfe des starken Euros : der Euro als zukünftige Währung der internationalen Reserven ?

Im Hinblick auf die Vorteile liegt der erste in der Verbesserung der Terms of Trade der Eurozone. Da die wichtigsten Rohstoffe in Dollar gehandelt werden, konnte Europa in den vergangenen Jahren die Kosten der Versorgung reduzieren. Die Wirkung des wiederholten Anstiegs des Brutto-Erdölpreises auf die europäische Wirtschaft konnte so 2003 bis 2006 durch die Stärke des Euros stark begrenzt werden.

Jean-Claude Trichet
Der ehemalige Präsident der Banque de France ist seit dem 1. November 2003 Präsident der Europäischen Zentralbank.

Ein zweiter Vorteil ist, dass ein starker Euro bereits vorweg positive Stimmung in Bezug auf die Entwicklung der Geldpolitik in der Eurozone und des durchschnittlichen Wechselkurses von Euro und Dollar erzeugt. Dies zeigt sich durch ein in der Eurozone allgemein geringeres Niveau der Zinsen im Vergleich zu denen im Dollarraum, wodurch Europa günstiger für Investitionen wird. Zusammengefasst lässt sich festhalten, dass ein starker Euro für ausländische Investoren profitabler ist. Für einige erzeugt der Euro somit eine positive Dynamik, bei der schwache Kreditzinsen, freigesetzte Ersparnisse sowie Vorgriff der Verbesserung der Terms of Trade Investitionen und somit Wachstum begünstigen.

Schließlich macht der Fall der amerikanischen Währung gegenüber dem Euro letzteren attraktiv für viele Länder, die Möglichkeiten für vorsorgliche Geldanlagen suchen, und wirkt so förderlich für Investitionen in der Eurozone. Zudem konkurriert ein starker und stabiler Euro langfristig für seinen Einsatz als Währung für Reserve und Tausch auf internationaler Ebene (momentan nimmt der Dollar diese Rolle ein) ; dies würde die Fluktuation der Kosten der Energieversorgung begrenzen und wäre somit profitabel für die Eurozone. Der massive Gebrauch des Euros für internationale Transaktionen könnte eine etwas schwierige Übergangsphase bedeuten, würde sich aber langfristig als Gewinn erweisen.

Dennoch sind wir noch weit von dieser Rechnung entfernt ; entgegen der Behauptungen einiger Veröffentlichungen gibt es offenbar keine Substitution der Dollar-Aktiva in Euro-Aktiva in den weltweiten Devisenreserven. Der Dollar bliebe somit immer noch die Währung der Reserven der Welt (65%). Sicherlich hat sich der Anteil des Euros in den Reserven der Zentralbanken in den letzten Jahren erhöht (25%), aber das liegt im Wesentlichen an dem Gewinn der Einheitswährung gegenüber dem Dollar auf dem Devisenmarkt. Im Gegenzug kann man anführen, dass der Euro die Leitwährung auf Ebene der Bartransaktionen geworden ist, was verdeutlicht, dass er international Vertrauen erworben hat.

Ein starker Euro hat somit seine Stärken wie auch seine Schwächen und es gibt kein Argument, das nur für das Hinwirken auf eine Ab- oder Aufwertung der Einheitswährung spricht. Das, worauf sich Volkswirte einigen, ist die Notwendigkeit, eine relative Stabilität der Wechselkurse zu erhalten und eine (willkürlich gesetzte) Schwelle im Bereich von 1,40 $ für 1 € nicht zu überschreiten. Viele sind der Ansicht, dass die wahren Lösungen für die Wachstumsschwierigkeiten in einigen europäischen Ländern nicht im Bereich der Wechselkurse zu suchen sind und berufen sich dabei auf die Situation in Deutschland. Damit bestätigen sie, dass einige Kritikpunkte, die sich an die Stärke des Euros richten, fehlerhaft bzw. vorgeschoben sind.


(Bildquellen : Sitz der EZB (Copyright : EZB) / Jean-Claude Trichet (Copyright : Le Monde) )


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