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Warum treibt die Finanzkrise die Staaten Zentral- und Osteuropas in den Staatsbankrott ?

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Welche Schuld liegt bei den westeuropäischen Banken ?

Die Augen sind größer als der Hals und die Heuschrecken ziehen durch das Land – was ist passiert in Ost- und Mitteleuropa ? Hat ein Leben auf Pump zu der schwierigen Lage während der Finanzkrise geführt ? In welcher Hinsicht haben die Banken und die Regierungen dabei mitgemacht ? Und wer trägt die Verantwortung dafür, dass viele zentral- und osteuropäischen Staaten vor dem Bankrott stehen ? Die Euros suchen die Antworten, die mehr Licht auf die wirtschaftliche und finanzielle Lage in diesen Ländern werfen und die Ursprünge der Krise erläutern.


„Konsumieren Sie !“ – bewusst oder unbewusst hat fast jedes Mitglied der modernen kapitalistischen Gesellschaft diese Botschaft bereits mitgekriegt. In der morgendlichen Zeitung, abends vor dem Fernseher oder in den vielen Katalogen und Zeitschriften, den Menschen wird rund um die Uhr weisgemacht, dass ihnen irgendein neues Produkt fehlt um ihr Leben zu vervollständigen.

Die Möglichkeit im Überfluss zu konsumieren, was immer das Herz begehrt, auch als „hoher Lebensstandard“ bezeichnet, wurde ebenfalls zum führenden Ideal für die Menschen aus den neuen Demokratien Ost- und Mitteleuropas. Als die kommunistische Herrschaft zu Ende war und die Marktwirtschaft in diesen Ländern Fuß fassen konnte, öffneten sich viele Tore für die Menschen. Dazu gehörten unter anderem die Türen von zahlreichen neuen Geschäften, deren Produkte man früher nur einmal im Jahr oder gar nicht bekommen konnte. Selbst dem Wirtschaftslaien ist die simple Wahrheit bekannt, dass der Konsumdrang die Marktwirtschaft nach vorne treibt. Diese neue Mentalität fand bei den Menschen reißenden Absatz und sie machten ganz fleißig dabei mit – manche mehr, manche weniger.

Das Wirtschaftswachstum in etlichen ost- und mitteleuropäischen Staaten, welches man in den letzten Jahren beobachten konnte, wurde hauptsächlich von der eigenen Bevölkerung gesponsert. Die Binnennachfrage sorgte für die stärksten Impulse auf dem Markt. Diese „Impulse“ jedoch wurden vorwiegend durch Kredite von westeuropäischen Banken finanziert. Ein Leben auf Pump, das man vor allem aus den USA kannte.

Begriffe der Krise

Faule Kredite (sub-prime loans) – Das sind Kredite, bei denen die Bonität der Kunden nicht überprüft wird. Die „faulen Kredite“ haben auch keine Zinsfestschreibung, also kann die Bank je nach wirtschaftlicher Situation die Zinsen variieren.

Schulden kaufen – Es handelt sich dabei um eine Investition, die sehr riskant ist, gleichzeitig aber auch gewinnbringend sein kann. Die Spekulation mit Schuldenkauf besteht darin, dass z.B. eine Bank die Schulden mancher ihrer Kunden einer weiteren Bank verkauft. Der Preis der Schulden ist insgesamt niedriger als der durch die komplette Rückzahlung der Schulden zu erzeugende Gewinn. Der Käufer der Schulden geht folglich ein großes Risiko ein, weil sich die Verschuldeten als zahlungsunfähig erweisen können.

Die Krise, die Banken und das Baltikum

Die Verbraucherkredite in Estland wuchsen im Jahr 2006 um 65%. Sie stellten schon damals 38% der gesamten jährlichen Wirtschaftsleistung und 70% der verfügbaren Einkommen der Baltikrepublik dar. Im Jahre 2007 wuchs die private Verschuldung im gesamten Baltikum noch einmal um 45%.

Das Blühen der Konsumgesellschaft wurde durch die aktive Beteiligung der westeuropäischen Banken ermöglicht. Die schwedischen Banken kontrollieren den größten Teil des Finanzwesens im Baltikraum. Swedbank und SEB beherrschen 80% des Marktes in Estland, 67% in Litauen und 43% in Lettland. Die Banken zeigten sich ziemlich großzügig und vergaben fast an jeden Kredite, ohne die Bonität der Kunden zu überprüfen. Das Modell der „faulen Kredite“ wurde auch in Europa „erfolgreich“ angewandt.

Dieses riskante Spiel wurde jedoch nicht nur innerhalb Europas, sondern auch über den Atlantik hinweg gespielt. Die Banken vergaben zum Einen diese „faulen Kredite“ selbst und kauften zum Anderen Schuldenpakete von den US-amerikanischen Banken auf, die ihrerseits ebenfalls mit „faulen Krediten“ durchzogen waren. Als die Rezession im Jahr 2007 ausbrach, hörten die schwedischen Banken auf, Geld zu leihen und forderten die Immobilieninvestoren auf, ihre Kredite früher zurückzubezahlen. Da der ganze Wirtschaftsaufschwung auf den ausländischen Anlagen und Krediten beruhte, führte das zu einer Stagnation in der Wirtschaft.

Rumänien, Ungarn und die Fremdwährungskredite

Äußerst stark werden von der Krise auch Rumänien und Ungarn getroffen, die sich während des wirtschaftlichen Booms überschuldet haben. Dieses unnatürliche Wachstum, Wachstum auf Pump sozusagen, treibt jetzt diese Staaten an den Rande des Bankrotts. Im Jahr 2008 hat es die Regierung in Bukarest geschafft, während des stärksten Wachstums seit 1989 (7,3 %) ein riesiges Defizit von 5,3% zu erwirtschaften. Derselbe Prozess spielte sich zeitgleich in Ungarn ab. Die Finanzkrise in der Welt führte zu einer Wirtschaftskrise in diesen Ländern. Die ausländischen Unternehmen wollten ihr Geld nicht mehr dort investieren, die Anzahl der Entlassungen stieg rapide, die eigene Währung verlor an Wert. Die westeuropäischen Banken haben auf Grund des Kaufs von Schulden und vergleichbaren spekulativen Anlagen vieles im Zuge der Immobilienkrise in den USA verloren. Daraufhin wollten sie möglichst schnell ihr Geld aus Ost- und Mitteleuropa holen, wo sie den Finanzmarkt zum größten Teil beherrschten.

Die Lage für die Menschen wurde zusätzlich durch die Tatsache erschwert, dass die meisten Privatkredite in fremder Währung aufgenommen waren. Die verlockend niedrigen Zinsen der Banken aus dem Euro-Raum und der Schweiz hatten eine starke Anziehungskraft für viele Menschen aus etlichen ost- und mitteleuropäischen Ländern. Die mit der Rezession verbundene Inflation hat die Rückzahlung der Kredite in Ländern mit relativ stabil gebliebener Währung fast unmöglich gemacht. In Ungarn sind 60% der Wohnungskredite in Fremdwährung und haben sich durch den Wertverlust des Forints um 50% verteuert haben.

Die anderen Länder in Ost- und Mitteleuropa

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Rettungsanker Euro-Beitritt

Slowenien und die Slowakei, 2007 und 2009 der Eurozone beigetreten, sind nicht so stark von der Finanzkrise betroffen wie die übrigen Länder Ost- und Mitteleuropas.

Bildquelle : Audiovisueller Dienst der Europäischen Kommission

Ein maßloser Konsum hat aber nicht alle Menschen in Ost- und Mitteleuropa zu risikofreudigen Spielen mit den Banken und die Banken mit den Menschen getrieben. In Ländern, in denen das Wirtschaftswachstum auf tatsächlichen Leistungen der Ökonomie beruhte und nicht auf kreditgesponsertem Verbrauch, verursachte die Finanzkrise nicht solch große Schwierigkeiten wie in anderen Staaten. Die Lage in mitteleuropäischen Ländern aus dem Euro-Raum wie Slowenien und die Slowakei ist kaum zu vergleichen mit der Lage in Ungarn und dem Baltikum. Auch in dem jüngsten Mitglied der Union – Bulgarien - ist die Situation im Vergleich zum zusammen mit Bulgarien beigetretenen Rumänien wesentlich besser. In einer Stellungnahme zu der aktuellen Krise gab der Chef der bulgarischen Notenbank an, das Land habe sich finanziell nicht verspekuliert. Das sei mit der Tatsache zu erklären, dass die Menschen kaum riskante Operationen mit Krediten durchgeführt haben. Kritiker des konservativen Banken- und Finanzwesens in Bulgarien dürften damit vorerst verstummen. Der einfache Pragmatismus der Bulgaren erwies sich als erfolgreiche Strategie für die Rettung aus der Finanzkrise. Trotzdem blieb kein Staat gänzlich unversehrt. Auf Grund des generalisierenden Blicks der westlichen Medien auf die Länder Ost- und Mitteleuropas ziehen sich Investoren nun mehr und mehr aus dieser Region zurück. Somit hat die Finanzkrise sowohl die Beteiligten als auch die Unbeteiligten in eine bedrohliche Situation versetzt.

Betrachtet man die besonders stark leidenden Betroffenen, fällt jedoch auf, dass in diesen Fällen die aktuelle Situation nicht der Grund für die fast katastrophale Lage ist, sondern der Katalysator eines Prozesses, der unabhängig davon bereits unausweichlich war. Der Versuch einiger ost- und mitteleuropäischen Regierungen, die gesamte Schuld den westlichen Banken zuzuschieben, ist daher unangemessen. Freilich sind die Banken zum Teil schuld an der miserablen wirtschaftlichen Lage, weil sie erst von der Bevölkerung profitierten und jetzt die Mutterkonzerne vom sinkenden Schiff flüchten, indem sie ihre Tochterfiliale im Stich lassen. Freilich ist es auch die Schuld der Banken, dass sie „faule Kredite“ vergeben haben.

Allerdings sind ebenfalls die jeweiligen Regierungen verantwortlich für ihre Lage. Sie haben ihr Wirtschaftswachstum auf Sand gebaut. Ein Wirtschaftswachstum, dessen Instabilität und Diskontinuität in seinen grundlegenden Prinzipien verankert ist. Davon zeugt die Tatsache, dass die Finanzkrise nicht alle mittel- und osteuropäischen Länder in die gleichen Schwierigkeiten versetzt hat. Der Wahrheit zuliebe muss gesagt werden, dass der Sog, in dem sich jetzt viele Länder befinden, nicht nur von den westeuropäischen Banken, sondern zu gleichen Teilen von den Ländern selbst erzeugt wurde. Verantwortlich ist sowohl die Gier der Banken, als auch das unvernünftige Denken der Politiker, die selbst in Zeiten von Wachstum große Schulden angehäuft haben.


Logo (Montage) : Rathausplatz Tallinn, Audiovisueller Dienst der Europäischen Kommission


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Elitsa STAMBOLOVA

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