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Wir Europäer und die Sprachen : zwischen Vielfalt und Rationalität

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23 Amtssprachen, und kein Ende in Sicht ?

23 Amtssprachen, das bedeutet 506 mögliche Sprachkombinationen für Übersetzungen im EU-Parlament. Die EU muss hier die richtige Balance finden : einerseits sinnvoll rationalisieren, andererseits aber auch jedem Abgeordneten die Möglichkeit geben, die Sprache seines Landes zu sprechen.


Zwischen dem Ringen um Verständigung und der Rettung der Regionalsprachen

Sicherlich hat man von Französisch, Rumänisch, Bretonisch, Baskisch gehört… Doch wie sieht das aus mit Friaulisch, Manx oder Samisch [1] ? Das alles sind in Europa gesprochene Sprachen. Die Zahl der einheimischen europäischen Sprachen wird auf 150 bis 250 geschätzt. Eine Sprache ist nicht nur ein simples Kommunikationsmittel, sondern spiegelt oftmals auch das Gefühlsleben nicht nur einer Kultur wider, sondern eine bestimmte Sicht der Dinge. Daher stellt sie eine Bereicherung dar, einen wichtigen Teil des europäischen Kulturerbes, das es zu bewahren gilt. Das ist zumindest die Meinung der Verfechter eines offenen Multilingualismus. Diejenigen, die ihn ablehnen, halten die Beeinträchtigungen dagegen, welche die Sprachenvielfalt auf den Austausch hat : Sie schade der gegenseitigen Verständigung der Völker. Auch wenn der Sprachenunterschied nicht an sich Spannungen Nährboden bereitet, so wird er manchmal dafür verantwortlich gemacht, Identitätsansprüche zu verstärken.

Der Prozess der künstlichen Zunahme oder Abnahme der sprachlichen Distanz, die zwischen verschiedenen Dialekten völlig natürlich ist, hat bisweilen schneller dazu geführt, dass eine Einheitssprache entsteht oder völlig neue geboren werden. Die Geschichte des Serbokroatischen ist dafür ein Paradebeispiel : Diese Spracheinheit entstand unter den serbischen, kroatischen und slowenischen Patrioten gegen die Herrschaft der Habsburger, basiert auf dem Dialekt, den man in Sarajevo spricht, und wurde dann von den meisten Bewohnern der ehemaligen Republik Jugoslawien gesprochen. Als jedoch diese Föderation im Jahre 1992 zerbrach, entstanden Kroatisch, Serbisch und ebenfalls Bosnisch. Heute sorgt die Regierung in Zagreb dafür, dass Kroatisch möglichst wenig mit Serbisch gemein hat. Diese Unterscheidung wurde noch dadurch verstärkt, dass Kroatisch das lateinische Alphabet verwendet, während Serbisch mit kyrillschen Buchstaben geschrieben wird.

Heute beobachtet man zwei Parallelerscheinungen in der Europäischen Union. Angesichts des riesigen Zuwachses des internationalen Austausches und an Kommunikationsmitteln, welche die Vereinheitlichung der Sprache begünstigen, geht sowohl auf nationaler als auch auf europäischer und internationaler Ebene mit der Vormachtsstellung des Englischen als Verkehrssprache eine sprachliche Gleichschaltung von statten. Gleichzeitig ist ein neues Interesse an Regional- und Minderheitensprachen zu beobachten, was ein Zeichen dafür ist, dass man sich der vom Aussterben bedrohten sprachlichen Vielfalt bewusst wird. Zugleich ist es Ausdruck einer gewissen Furcht vor der Globalisierung und vor dem Zerfall jedweder eigener Identität, besonders angesichts der neuen vagen europäischen Identität.

Dolmetscher am Werk : Wie die EU-Institutionen mit der Sprachenvielfalt umgehen

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Volle Konzentration : Simultandolmetscherin im Europäischen Parlament

Die Sitzungen des Europäischen Parlaments kann man sich im Internet auf allen 23 Amtssprachen - von Deutsch über Litauisch bis Gälisch - live anhören.
Quelle : Fotothek des Europäischen Parlaments

Die Europäische Union hält im Moment an 23 Amtssprachen [2]fest - trotz des Druckes eines geforderten Hinzukommens des Katalanischen. Ihre Muttersprache ist Ungarisch und Sie sprechen fließend Maltesisch ? Dann stehen Ihre Chancen gut, EU-Dolmetscher zu werden. Tatsächlich sucht die Union unter den 23 Amtssprachen seit der Zulassung des Gälischen im Jahre 2007 verzweifelt nach Sonderlingen, Personen, die simultan aus dem Lettischen ins Schwedische, aus dem Bulgarischen ins Gälische etc. dolmetschen können. Um diesem Mangel abzuhelfen und zu rationalisieren, wurden so genannte Relais-Sprachen eingeführt : Im Europäischen Parlament etwa erfolgt eine Verdolmetschung zunächst ins Deutsche, Englische, Spanische, Französische und Polnische und dann aus diesen Sprachen in die anderen. Diese Abkürzung birgt das Risiko, dass die Qualität der Übersetzungen leidet. Sie ist aber immer noch besser als jede Maschinenübersetzung, die immer noch viel zu schlecht dazu geeignet ist, Verhandlungen und politische und gerichtliche Diskussionen wiederzugeben.

Übersetzungen sind immer noch sehr wichtig, werden jedoch auf ein Minimum reduziert : Die Arbeitssprachen der Europäischen Kommission sind Französisch, Englisch und Deutsch. Lediglich in offiziellen Sitzungen und offiziellen Dokumenten müssen alle Sprachen zu finden sein. Außerdem nimmt das Gewicht des Englischen als Arbeitssprache objektiv gesehen stark zu, besonders nach der Osterweiterung im Jahre 2004. Dieser krasse Monolingualismus wird jedoch aufs Schärfste von Frankreich bekämpft, um den schwindenden Einfluss seiner Sprache zu bremsen. Auch von Deutschland, das dem Deutschen mehr Gewicht einräumen möchte, gehen Initiativen aus, aber auch von Ländern, deren Sprachen gemessen an der Einwohnerzahl die geringste Sprecherzahl aufweisen, die schlichtergreifend um ihr Überleben fürchten. Daher setzen sich fast alle Mitgliedsstaaten dafür ein, dass die EU die Sprachenvielfalt fördert.

Die EU fördert das Sprachenerlernen

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Die EU-Kommission fördert Programme zur Sprachenvielfalt...

...und hat sogar einen Kommissar für Multilingualismus : Leonard Orban
Quelle : Audiovisueller Dienst der Europäischen Kommission

Die Europäische Kommission hat sich die drei folgende Hauptziele für den Multilingualismus gesetzt : das Erlernen von Sprachen anzuregen, eine vielsprachige Wirtschaft zu fördern und allen EU-Bürgern Zugang zu Gesetzgebung, Vorgängen und Informationen in ihrer eigenen Sprache zu gewähren. Bereits im Jahre 1990 wurde das LINGUA-Programm ins Leben gerufen, das jede gemeinnützliche Initiative dabei unterstützt, den Multilingualismus zu verbreiten, sofern mindestens drei Staaten daran beteiligt sind. Mobilitätsprogramme wie Comenius oder Erasmus zielen ebenfalls darauf ab. Aber besonders der Lissabonner Prozess hat das Vorgehen der Kommission beschleunigt. Das große Ziel, das sich der Europäische Rat beim Lissabonner Gipfeltreffen gesetzt hat, besteht darin, den Trilingualismus zu erreichen („Muttersprache + 2“) : Jeder EU-Bürger soll außer seiner Muttersprache zwei weitere Sprachen sprechen können. Diese langfristige Zielsetzung macht große Veränderungen vonnöten, die jedoch alles andere als unmöglich sind. Gemäß den Ergebnissen einer Umfrage, die Ende 2005 durchgeführt wurde, fühlen sich 28% der Europäer über 15 Jahre dazu in der Lage, sich in zwei anderen Sprachen neben ihrer Muttersprache zu unterhalten.

Einerseits beschuldigt man die EU für zu hohe Ausgaben für Übersetzungen und ihre Programme (zwei Euro pro Person und Jahr). Andererseits prangert man an, so genannte Regional- und Minderheitensprachen würden vergessen, die besonders in Ländern wie Frankreich bedroht sind, da Frankreich immer noch nicht die gleichnamige Charta des Europarats unterzeichnet hat. Diese Unstimmigkeiten sind nicht nur Lappalien und müssen zum Nachdenken darüber anregen, wie man dem Wahlspruch der EU am besten Rechnung tragen kann : „In Vielfalt geeint“. Doch wo die Grenzen ziehen zwischen mangelnder Vielfalt und unnützen „Über-Übersetzungen“ ?


Logo : Audiovisueller Dienst der Europäischen Kommission


Dieser Artikel ist eine Übersetzung eines Beitrags von Aline Chever in dem Eurosblog « L’Europe en bouteille » der Studenten und Professoren des IEP Bordeaux.


[1] Friaulisch wird im Nordosten Italiens gesprochen ; Manx ist die Regionalsprache der Isle of Man ; Samisch kommt aus Lappland

[2] Deutsch, Französisch, Italienisch, Niederländisch (Europa der 6), Englisch und Dänisch (Europa der 9), Griechisch (Europa der 10), Spanisch und Portugiesisch (Europa der 12), Finnisch und Schwedisch (Europa der 15), Estnisch, Tschechisch, Ungarisch, Lettisch, Litauisch, Polnisch, Maltesisch, Slowakisch, Slowenisch (Europa der 25), Bulgarisch, Rumänisch (Europa der 27) und Gälisch, das seit 2007 einen Sonderstatus hat.


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Jochen SCHÄFER (Übersetzer)

Depuis déjà très jeune, Jochen était fasciné par d’autres pays et langues. C’est aussi pourquoi ses matières préférées au lycée étaient le latin, le français et l’anglais. Rien d’étonnant donc qu’il se soit décidé à étudier la traduction à l’U.F.R de (...)
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Maxxy über Sommer-Pause | 20. Oktober 2011, 15:33 (2)

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Santos über Die Beziehungen zwischen Europa und (...) | 15. Oktober 2011, 22:26 (1)

Frisch gezwitschert
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